Fünf Mal vor 9.500 Menschen

Helene Fischer in den Dortmunder Westfalenhallen

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Hochleistung bringt Helene Fischer nicht nur am Mikrophon, auch im circensischen Bereich gab der Schlagerstar in der Westfalenhalle alles.

Dortmund - Die Kunstfigur Helene Fischer schickt Superlative vor sich her wie Tsunamiwellen: Cirque du Soleil! Akrobatik! Eine Show, die vom Aufwand her mit großen Produktionen der Rockgeschichte mithalten soll. Fünf Abende gastiert Helene Fischer in den Dortmunder Westfalenhallen vor 9.500 Menschen pro Abend, und ihre Show, da gibt’s gar kein Vertun, ist grandios.

Sie fliegt wie ein Engel, eine Animationsfigur, eine Fee, von mir aus auch wie der „Schmetterling“ auf ihrem aktuellen Album „Helene Fischer“. Zehn Meter zieht ein Drahtseil sie in die Höhe. Sie muss einen Magen aus Beton haben, Muskeln aus Eisen, um bei einem solchen Programm singen zu können. Jeder Ton sitzt wie die Föhnwelle von Drei-Wetter-Taft.

Helene Fischer fliegt am dünnen Seil auf die Bühne, macht im Eiskunstläuferinnenkostüm Tempo mit „Nur mit Dir“ und „Du bist ein Phänomen“, und natürlich ist klar, dass die Fontänen genau auf den großen Trommelschlag hin losfeuern. Und trotzdem bleibt einem die Luft weg, so gut ist das kalkuliert: eine riesige Magie-Maschine. Noch bevor der Zuschauer richtig in der Szene angekommen ist, schickt die Show den nächsten Helene-Superlativ auf die Reise: Sie hebt ab, tanzt in der Umarmung eines Bühnenpartners in die Höhe, dreht Pirouetten und biegt den Rücken durch da oben in der Luft.

Dafür hat sie hart trainieren müssen, versichert sie ihrem Publikum und stellt eine Verbindung her zu all denen, die sich hoffnungsvoll im Fitnessstudio schinden für einen gestählten Körper: „Ich sag’ euch, am Ende der Tour bin ich ‘ne Maschine!“

Show-Design vom "Cirque du Soleil"

Helene Fischer hat sich die Show vom kanadischen Cirque du Soleil designen lassen. Einstudiert wurde sie in Dortmund. Die Background-Tänzer/Akrobaten hängen an Seilen, kreiseln bis unters Hallendach, ein animierter Hintergrund für die schwebende Gestalt im Vordergrund.

Helene Fischer spaltet Musikgeschmäcker, aber wirklich niemand kann ihrer Hochleistung die Anerkennung verweigern. Nichts wackelt in drei Stunden Konzert. Alles ist perfekt. Jedes Schäkern mit dem Publikum mündet passgenau in den Flow des nächsten Songs. Jedes Kostüm zeigt genau die richtige Menge Haut: den gestählten Körper präsentierend, nicht enthüllend. Jeder Tanzschritt, jeder Zwischenruf sitzt. Manchmal meint man erkennen zu können, was für einem Drill sich die Frau hat unterwerfen müssen, um so gut zu werden. Helene Fischer ist die verkörperte Bühnenleistung.

Ihre Bühnenpersönlichkeit zeigt nicht eine Naht. Als sie „Ich wollte mich nie mehr verlieben“ singt, macht vor ihr ein absurd fitter junger Mann Handüberschläge. Sie muss lachen, und man könnte nicht sagen, ob dieses Lachen in die Situation hineinchoreografiert ist – jedenfalls ist es das richtige Lachen im richtigen Moment, weil es die Szene, die zunächst sexy wirkt, auf den Boden holt.

Was will sie noch anstellen, wenn sie mal eine neue Tournee plant?

Helene Fischer will die Leute tanzen sehen. Sie heizt sie an. Würde man eine Wortanalyse durchführen, tauchte das Wort „Dortmund“ ganz vorne in der Statistik auf. „Dortmund“ haucht Helene in schwarzem Leder und Samt von einem goldenen Gitterball herunter („Herzbeben“). Sie streckt einen Arm aus, wird emporgezogen und kreiselt im Schleudertempo acht Meter über der Bühne. Toll. Was will sie noch anstellen, wenn sie mal eine neue Tournee plant?

Die Musik? Na ja. Man hat das Gefühl, maximal zwei unterschiedliche Songs zu hören, präsentiert in drei Eskalationsstufen: laut, sehr laut, Stadionlautstärke. Der Beat ist ein ewigdumpfer Teppich auf dem Gehör. Aber sie singt klar bis in jeden Spitzenton hinein, alles wortdeutlich, Zeilen wie „Du kannst Bilder aus purer Hoffnung malen“, und die Leute singen selig mit. Bis in die Zugabe, als es endlich kommt: „Atemlos“.

...Bloß dieses Kleid...

Bloß dieses eine Kleid, eine Kreation mit einem Glockenrock aus Wasserstrahlen... Freundlich gesagt sieht es aus wie Omas Zimmerspringbrunnen. Etwas drastischer: Helene sieht aus wie ein „Fräulein Pis“. Dieses Kostüm hätte überdacht werden sollen, und lassen wir es dabei.

Quelle: wa.de

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