Das Gustav-Lübcke-Museum Hamm zeigt Arbeiten von Günther Zins

Räumliche Verwirrspiele inszeniert der Künstler Günther Zins im Gustav-Lübcke-Museum Hamm.
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Räumliche Verwirrspiele inszeniert der Künstler Günther Zins im Gustav-Lübcke-Museum Hamm.

Hamm  - Vor der Kunst von Günther Zins bekommt der Betrachter schon mal Augenflimmern. Was genau hängt da an der Wand des Gustav-Lübcke-Museums in Hamm? Die grauen Linien überlagern, durchdringen sich, so dass die vermeintlich so festen Formen des Quaders, des Würfels ihre Präzision verlieren.

Welche Linie gehört zu welchem Körper? Und welche Linie ist fest, real, silbergrau schimmernder Edelstahl, und welche ist nur ein Schatten?

Der Besucher der Ausstellung „Klare Kante“ muss reichlich Seh-Arbeit leisten vor diesen Plastiken, die doch vermeintlich aus den einfachsten, elementaren Formen der Geometrie bestehen. 

Aber das eben macht den Reiz aus: Dass die klare Kante gar nicht so klar ist, dass das, was man als Würfel ansieht, eigentlich ein raffiniertes Arrangement aus Linien ist, ein flaches Relief, das nur aus der Entfernung wie ein vor der Wand schwebender Würfel erscheint. Der Betrachter erkennt die Flachware an den fehlenden Schatten.

Aber die wirklich dreidimensional ausgearbeiteten Stücke sind noch spannender. In ihnen entfaltet der 1951 in Butzbach geborene, in Kleve lebende Künstler seine ganze Suggestion. Er verschiebt Winkel, er berechnet Lichteinfälle, und so fügen sich wirkliche Würfel, windschiefe Gebilde und Schatten zu einem Ineinander aus geometrischen Formen. Eigentlich zeichnet Zins, aber er tut es nicht mit einem Stift auf Papier, sondern mit Edelstahlstäben, die er in den Raum stellt oder an die Wand montiert. Es ist ein altes Motiv der Kunst: das Vexier- und Verwirrspiel von Räumlichkeit und Fläche.

Die Ausstellung, die am Sonntag eröffnet wird, hat einen aktuellen Anlass. Im Kurpark ist seit kurzem der monumentale, sieben Meter hohe „Balancierende Würfel“ von Zins zu sehen. Der Künstler hatte den Entwurf dazu eigentlich 2015 für den Wettbewerb für ein Haldenzeichen eingereicht. Da landete er auf dem zweiten Platz, begeisterte aber die Verantwortlichen in Hamm so, dass sie die Arbeit unbedingt in der Stadt haben wollten. Das gelang – und wird nun von einer Werkschau mit rund 40 Arbeiten im großen Oberlichtsaal des Lübcke-Museums begleitet.

Neben den visuell faszinierenden Wandarbeiten sind dort auch fünf „Tore“ zu sehen, Stahlrahmen, die Zins nach seinem Körpermaß schuf. Der Besucher darf und soll sie durchschreiten und empfindet vielleicht auch das irritierende Gefühl, dass da eigentlich ein Hindernis sein sollte. Die strenge Form des Rechtecks, die Materialität des Metalls gaukeln der Wahrnehmung etwas vor.

Außerdem sind Fotografien zu sehen, die weitere Arbeitsfelder des Künstlers umreißen. Zum einen sind da die „Traumobjekte“, riesige Würfelplastiken, die Zins in Panoramaaufnahmen aus den Südtiroler Bergen und der Innenstadt von Paris montiert. Ein Würfel berührt die Wolken der Dolomiten. Ein anderer scheint mit einer Spitze die französische Hauptstadt zu überragen. Würde er je realisiert, wäre der Eiffelturm als Wahrzeichen ausgestochen.

Dann gibt es noch die „geworfenen Skulpturen“. Dabei stellt Zins sich vor eine Kamera mit Selbstauslöser, die extrem schnelle Serienaufnahmen macht. Dann wirft er Aluminiumstäbe in die Luft, die auf den Fotos im Flug eingefroren erscheinen. Die Stäbe ergeben dann sozusagen virtuelle Objekte, mal umspannen sie wie bei den Stahlarbeiten einen Raum, mal sind sie einfach ein Bündel von Linien, frei in der Luft. Zins befreit die Skulptur damit gleichsam von ihrer Materialität. Sie existieren nur auf den Fotografien, sind mehr Produkte des Zufalls als der Planung durch einen Menschen. Damit erlaubt sich Zins einen selbstironischen Blick auf die eigene Arbeit: Der Konstruktivist inszeniert sich als Spieler.

Eröffnung Sonntag, 11.30 Uhr. Bis 17.3.2019, di – sa 10 – 17, so bis 18 Uhr, Tel. 02381/ 17 57 14, www.museum-hamm.de,

Katalog 18 Euro

Quelle: wa.de

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