Gorillaz begeistern mit grell-bunter Show in Düsseldorf

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Die virtuellen Gorillaz auf der Leinwand und die realen Musiker um Damon Albarn davor.

Düsseldorf -  Mit einer grandiosen grell-bunten Show begeisterten die Gorrillaz am Samstagabend in Düsseldorf. Die begeistern fans in der ausverkauften Mitsubishi Electric Halle bekamen einen Mix aus Pop, Hip-Hop, Disco, Indie-Rock, Dub, Reggae, R’n’B und Soul zu hören.

Zum Ende des Gorillaz-Konzertes wird die Düsseldorfer Mitsubshi Electric Halle zu einer Kathedrale der Pop-Kultur mit säulenhohen Kirchenfenstern.  Davor singt sich der aus sechs Personen bestehende Background-Chor mit Gospelsongs fast in Ekstase. Es ist ein ergreifendes Schlussbild eines grandioses Konzertes. 

Wie ist ein Abend mit den Gorillaz kurz zu beschreiben? Auf jeden Fall als quietschbunt und musikalisch chargierend zwischen Pop, Hip-Hop, Disco, Indie-Rock, Dub, Reggae, R’n’B und Soul. Auch die Frage, ob um eine virtuelle Band aus vier Comicfiguren einen Live-Auftritt gebastelt werden kann, wurde am Samstagabend in Düsseldorf mit einem klaren Ja beantwortet – und die 7 500 Fans in der seit Juni ausverkauften Halle wurden fast zwei Stunden lang in eine tanzende, wogende und glückselige und feiernde Menge verwandelt. 

Angetrieben von Blur-Boss und Gorillaz-Mitbegründer Damon Albarn, der die Gorillaz 1998 zusammen mit Comic-Zeichner Jamie Hewlett („Tank Girl“) gründete, bietet eine fantastische sechsköpfige Band, der beseelte und fast im Dauereinsatz singende Hintergrund-Chor die Basis ffür die niemals alternden 2D, Murdoc, Noodle und Russel Hobbs alias Gorillaz. Nur Albarn, der Zeremonienmeister, Choreograf und künstlerische Leiter dieses popkulturell schlauen Mixes aus Auftritt und Party, bekommt öfters mal ein Scheinwerferlicht ab, der Rest der realen Musiker muss sich weitgehend mit einem Dasein im Schatten beschränken. 

Albarn, der in Großbritannien als Kopf der Britpop-Band Blur mit Oasis um die Spitzenpsotion in diesem Genre stritt und Superstar-Status inne hat, nutzt die ganze Breite der Bühne, singt, spielt Gitarre, Klavier oder Melodica. Zu „Hong Kong“ hat sich Albarn an diesem Abend ein wenig von den Gorillaz gelöst und unternimmt einen relaxten und zurückgenommen Bummel durch die flirrend-nächtlichen Straßen dieser Riesen-Metropole. 

Konzert der Gorillaz in Düsseldorf

Dem 49-jährigen Kreativgeist war eine Band immer zu wenig und auch die Festlegung auf einen Stil sagte ihm nicht zu. So unterhielt er diverse Kollaborationen mit afrikanischen Musikern, schrieb eine Art „chinesische Oper“ und schaute sich nach weiterer musikalischer Betätigung etwa in der Band The Good, The Bad and The Queen um. 

Seine Liebe für die schwarze Musik basierend auf HipHop lebt er mit den Gorillaz aus, die als riesiges Klischee entstanden sind. Sänger 2D ist großmäuliger Punksänger, Murdoc ein cooler Altrocker am Bass, Noodle eine kleine flippige Asiatin und Russel Hobbs der gutmütige Schlagzeug-Gigant. Zudem sind die Gorillaz ganz nach Albarns Vorliebe musikalisch extrem wandelbar. 

So ist die aktuelle Tour aus Anlass der Veröffentlichung des sechsten Studio-Albums „Humanz“ eben nicht einfach ein Konzert, sondern eine Art moderne und unprätensiöse Rockoper. Wie sich die Gorillaz einen Platz in der modernen Popkultur erarbeitet haben, wird in Düsseldorf nicht nur bei den coolen Hits wie „Last Living Souls“, „Clint Eastwood“, „Feel Good Inc“, zu dem die legendären Rapper von De La Soul genau wie zu „Superfast Jellyfish“ auf die Bühne kommen, „19-2000“ oder „Kids With Guns“ deutlich. 

Damon Albarn ist der Erfinder der Gorillaz 

Zudem ist das Konzert perfekt choreographiert und komponiert. Aus all den tanzbaren Zutaten wird ein mitreißender und vielfältiger Sound zusammen gestellt. Auch die kleingewachsene Londoner Rapperin Little Simz sowie Peven Everett sorgen als Gastsänger mit ihren Rappassagen für großartige Momente. Nicht zuletzt aber ist ein Gorillaz-Konzert auch ein Fest für die Augen. So haben nach einem Bankraub 2D und Murdoc bei der Flucht durch die Wüste zwar die Polizei abgehängt, doch ihre Rechnung ohne den real auf die Leinwand projizierten Bruce Willis gemacht, der im Song „Stylo“ (mit Peven Everett als Kopfgeldjäger die beiden in einer rasanten Verfolgungsjagd stellt.

In „On Melancholy Hill“ wird eine tief-traurige Endzeitstimmung entwickelt, in der Kampfhubschrauber eine Windmühle als Schutz für Noodle in Schutt und Asche bomben. Die Apokalypse taucht in weiteren rasanten Comic-Einspielungen aus, die Farben wechseln wie im Rausch explodierenden Farben und die Effekte nehmen den Betrachter gefangen – es ist schlicht ein opulentes Spektakel.

Quelle: wa.de

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