Die Editors verwandeln das Palladium in eine große Tanzfläche

Köln - Die Editors können sich einer großen und treuen Fan-Schar sicher sein. Das aktuelle, mittlerweile sechste Album der Rockband aus dem britischen Birmingham stieg in Deutschland bis auf Platz sechs der Albumcharts. Und auch ins Kölner Palladium strömen die Anhänger in Massen.

Adrett gekleidet tänzelt Tom Smith auf die Bühne. Er grüßt freundlich, ist höflich und durchaus ein Frauenschwarm. Viel zu sehen von ihm und seiner Band, den Editors aus Birmingham, bekommen die Fans allerdings nicht beim Konzert im Kölner Palladium. Dafür setzt das Quintett zu sehr auf den extensiven Gebrauch von Kunstnebel und schwachem Licht.

Zur Musik der Band, die ihren Sound mit Elementen des Post-Punk und New Wave auskleidet, passt das allerdings bestens. Wenn etwa "Violence" aus dem gleichnamigen, soeben erschienenen sechsten Album mit düster-stampfenden Beats loslegt und die Bühne in blutrotes Licht getaucht wird, ist das sehr stimmungsvoll.

Ohnehin: Der Sound der Editors hat sich seit dem Debütalbum "The Back Room" von 2005 stetig weiterentwickelt, ein Stück weit weg vom gitarrenlastigen Spiel hin zu verstärktem Elektronikeinsatz. "No Harm" mäandert mit reduzierter Instrumentierung voran und lebt vor allem von Smiths Bariton. „In This Light and on This Evening“ ist von Synthesizern durchzogen und entführt, wie viele Songs der britischen Band, in die 80er Jahre.

Konzert der Editors im Kölner Palladium

„Du kommst ganz alleine, und so wirst du auch wieder gehen. Mit Hoffnung in deinen Händen und Luft zum Atmen. Am Ende wirst du alles verlieren", singt Tom Smith in "An End Has a Start". Viel Platz für gute Laune lassen die Lyrics der Band nicht. Musikalisch vollführen die Editors dagegen den Spagat zwischen düsterem Alternative-Sound und flottem Indie-Rock.

„Hallelujah (So Low)“ spielt mit Chor-Gesängen und schweren Industrial-Parts. Die getragene Ballade "Belong" begleitet der Sänger an der Akustikgitarre, zu der sich ein markerschütternder Bass gesellt. "Darkness at the Door" dagegen ist besonders poppig, ähnlich wie "Nothingness", das beinahe mit Radiotauglichkeit punktet und kurz davor steht, die Schwelle zur Massenkompatibilität zu überschreiten.

Immer mittendrin: Frontmann Tom Smith. Der 36-Jährige spielt mal Gitarre, sitzt mal am Klavier, hat zwischendurch nur den Mikrofonständer in der Hand und rackert mit ihm als lägen sie miteinander im Clinch. Dazu singt Smith, dessen Stimme mehrere Oktaven mit offensichtlicher Leichtigkeit abdeckt, leidenschaftlich und ausdrucksvoll.

Von den Fans frenetisch gefeiert werden die Songs, die schon längst zu Hits auf den Tanzflächen der Indie-Discos geworden sind. "Munich" gehört dazu. Flirrende Gitarren durchziehen das Stück, das mit der Stadt München nichts im Geringsten zu tun hat. „Menschen sind zerbrechliche Wesen, das solltest du mittlerweile wissen", singt Tom Smith im eingängigen Refrain, während die Fans wild und ausgelassen tanzen. „Papillon“ toppt das Schauspiel noch. Die Zuhörer haben lange auf den Song warten müssen und bekommen dafür kurz vor Schluss eine besonders lange Version serviert, die am nächsten Tag für Muskelkater in den Oberschenkeln sorgen wird. Dennoch: Den nachhaltigsten Eindruck hinterlässt „No Sound But the Wind“.

Die Editors haben soeben ihr Set beendet, da kommt Tom Smith zurück auf die Bühne, schnallt sich seine Akustikgitarre um und singt alleine im Licht eines blauen Scheinwerfers das Stück, dessen Handlung in einer apokalyptischen Welt spielt, in der Vater und Sohn durch die „Asche und die verkohlten Überbleibsel des Landes“ ziehen.

Smith ließ sich zum Song von Cormack McCarthys Roman „Die Straße“ inspirieren, sagte er einmal. „Wir werden es zusammen durchstehen. Hilf mir, die Flamme zu tragen“, singt der Brite eindringlich, wiederholend. In der Halle wird es immer stiller. Ein besonderer Moment – auch wenn man auf der Bühne nicht viel erkennen kann.

Quelle: wa.de

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