Brüsseler Ausstellung zeigt Bilder von Watteau mit musikalischen Motiven

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Die Gitarre des traurigen Pierrot klingt nicht auf diesem Gemälde von Antoine Watteau. „La partie carrée“ (1713/14) ist im Bozar in Brüssel zu sehen.

Von Ralf Stiftel

BRÜSSEL - Pierrot scheint kein Glück zu haben bei den Frauen. Mit hängenden Schultern, die Gitarre auf den Rücken geschoben, steht er vor den beiden Frauen, die ihn kühl betrachten. Die linke hat sogar ihre Beine auf die Bank gehoben. Hier ist kein Platz für ihn. Eine seltsame „Partie carrée“ zeigt der Maler Antoine Watteau in seinem 1713 oder 1714 entstandenen Gemälde. Ein Beziehungsquadrat zwischen zwei Männern und zwei Frauen, aber der Stehende macht eine traurige Figur.

Das Werk des französischen Rokoko-Meisters (1684-1721) zeigt seine Erzählung um den armen Narren, der nicht mitspielen darf, eher leise. Und vielleicht sind auch die Gewänder der Figuren, diese Fluten aus Samt und Seide in Gold, Rot, Weiß, das eigentliche Thema, sind sie doch wie mit einem Schlaglicht in das dämmrige Grün der Landschaft gebettet. Das kleinformatige Meisterwerk aus dem Fine Arts Museum in San Francisco ist zur Zeit in Brüssel zu sehen. Der Palais des Beaux Arts, Bozar, zeigt die feine Ausstellung „Watteau – la lecon de musique“.

Die Schau hat ein Musiker kuratiert, William Christie, Cembalist und Leiter des französischen Ensembles „Les Arts florissants“. Und sie handelt von der Musik in Watteaus Schaffen. Fast in jedem dritten Bild von ihm spielt die Klangkunst eine Rolle. Aber die rund 140 Exponate, darunter 15 Gemälde, bieten zugleich einen Querschnitt durch alle Werkphasen. Es lohnt in diesem Fall, den Audioguide zu nutzen. Man hört nicht nur in Englisch, Französisch oder Niederländisch Erläuterungen, sondern kann auch Musik jener Zeit einspielen, betörende Vokalstücke, die Watteaus galanten Szenen zusätzliches Leben einhauchen. Und im Zentrum der Schau sind Dudelsack, Fagott, Gitarre im Original zu sehen.

Watteau, der jung an Schwindsucht starb, war vor allem ein brillanter und schneller Zeichner, der einen Violinisten, einen Dudelsack- oder Fagottspieler beim Musizieren mit wenigen Strichen lebendig und natürlich darstellen konnte. Die Schau bietet feine Beispiele dafür wie den sitzenden Gitarristen in Dreiviertelansicht nach rechts (um 1717) in Rötel und schwarzer Kreide. Minuziös erarbeitete der Künstler sich seine Motive, um sie dann in seine ebenso erzählerischen wie rätselhaften Kompositionen einfließen zu lassen. Manche Arbeiten schuf er zu dekorativen Zwecken wie die Serie mit kleinformatigen Gemälden von chinesischen Musikanten, die um 1708 als Raumschmuck für das Schloss des „Intendant des finances royales“, Jean-Baptiste Fleuriau d’Armenonville, entstanden. Seine Bilder verdanken viel der italienischen commedia dell’arte, die er liebte. Er malte 1697 den Auszug der italienischen Komödianten – sie waren bei Hof aus der Mode geraten. In Brüssel ist ein Stich nach dem Bild ausgestellt. Darum gehören auch die Commedia-Akteure zum Personal vieler Bilder. Man weiß nie sicher, ob Watteau echte Gefühle zeigt oder deren Darstellung durch Schauspieler. Der Pierrot mit der Gitarre mimt vielleicht nur den melancholischen Spaßmacher.

Manches Bild greift einfach die Tradition der niederländischen Malerei auf. Die „Wahre Fröhlichkeit“ (ca. 1715-1717), Genreszene eines bäuerlichen Festes, könnte auch von David Teniers stammen. Und im „unverschämten Flegel“ (ca. 1716/17) zitiert er ein Motiv von Rembrandt, zeigt einen Burschen, der auf einer Waldlichtung vor einer Spinnerin Flöte spielt. Dabei steigert er noch die Frivolität, indem er das phallische Instrument des Burschen exakt an der Rocköffnung der Spinnerin platziert, zwischen die nackten Füße.

Watteau macht den Betrachter in seinen Kreationen zum Zeugen seltsamer Ereignisse, gern mit erotischen Untertönen. Da stellt sich der „Verführer“ (ca. 1712-1714) mit der Gitarre vor zwei Damen auf wie ein balzender Vogel, und die „Abenteurerin“ posiert nicht minder exaltiert. Bei einer Radierung (1726) zeigt er einen Wandermusikanten mit Oboe und „Marmot“ (Murmeltier), was im damaligen Jargon dem doppeldeutigen „Muschi“ entsprach. Das Blatt schuf Francois Boucher nach einer Zeichnung Watteaus. Visuelle Pikanterien, deren Reiz die im Kopf des Betrachters mitschwingende Musik noch steigert.

Watteau – la lecon de musique im Bozar, Palais des Beaux Arts, Brüssel. Bis 23.5., di – so 10 – 18, do bis 21 Uhr, Tel. 0032/ 2/ 507 82 00, www.bozar.be,

Katalog (nl./frz.) 39,95 Euro,

Allg. Info: Tourismus Flandern, Köln, 0221 / 270 97 70

www.flandern.com

Quelle: wa.de

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