Die Blue Man Group ist in Köln zu Gast

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Lassen beim Trommeln Farbe spritzen: Die drei von der Blue Man Group.

KÖLN - Was ist das? Drei Kerle wackeln mit dem Kopf und eine macht mit? Kleine Hilfe: Die Jungs sind blau. Richtig. Es ist die Blue Man Group mit ihrer Mitmachzuschauerin.

In Köln amüsierte sich das Premierenpublikum über die vier auf dem Podium. Die Zuschauerin griff zu Twinkie Kuchen, fütterte die Blauen und machte mit. Sie war ein Teil der Show. Das ist eine Erfolgsstrategie des internationalen Entertainment Unternehmens: Gemeinsamkeiten.

Kölns Musical Dome ist die erste deutsche Station auf der Europatournee. „Die einzige Show so bunt wie das Leben!“ heißt der rund eineinhalbstündige Abend, der voller Überraschungen ist. Denn aus den Körpern der Blue Men quillt plötzlich eine gelbe Masse auf den Tisch. Ist es der Kuchen? Ekel zählt auch zu den Zutaten der aktuellen Show. Und die Zuschauerin? Aus ihrem blauen Körperkorsett, das man ihr umgelegt hatte, strömt ebenfalls fiese gelbe Masse. Wie fühlt sich denn das an?

Flackerlicht, farbstarke Bilder auf großen Monitoren und die drei in Blau eröffnen mit lauten eingängigen Rhythmen den Showabend. Es wird ein Erstaunen ausgelöst, das die Blue Man Group immer wieder erfrischt. Auch mit den Klassikern, wie Trommeln im Farbwasser. Auf der Bühnenempore spritzt die Flüssigkeit bei jedem Schlag. Licht vom Trommelboden erleuchtet die farbige Gischt. Die Blauen lassen es krachen und entwickeln einen trefflichen Spieltrieb, der Grenzen testet und Farbmengen riskiert – opulent und kess zugleich. Und es wird eine Magie beschworen, die von den Figuren ausgeht. Sie sind wortlos, neugierig und erkunden eine Welt, der sie auch immer wieder ein Schnippchen schlagen. Aufgepasst!

Die Marshmallow-Nummer birgt ein bisschen Akrobatik. Die Zuckerbällchen fliegen und 19 Stück verschwinden im Mund eines Blue Man. Wem tut hier nicht der Unterkiefer weh? Die anderen beiden spucken Farbe auf Bildleinwände und verschenken die Spritzkunst ans Publikum. Aus der Marshmallow-Masse wird eine wundersame Figur, die der erste ausgewürgt hat. Wer will sie haben? Ganz unbedarft und cool rücken die Blue Men dann aus. Und wie sie den farblosen Stumpf in eine große Tasche kippen, ist es kein Geschenk, sondern ein Entsorgungsvorgang in der ersten Reihe. Das kommt gut an und könnte auch in die Muppet Show passen.

Neben dem Gefühl für gute Komik ist die Blue Man Group mit Aktionen auf dem Smartphone aktuell. Drei riesige Tastaturen stehen auf der Bühne. Passworte werden verlangt. Und der Computer beurteilt, ob die Komplexität ausreicht. Leicht lässt sich daraus ein Spiel um den eigenen Selbstwert entwickeln, dass aufgreift, wie unangenehm es ist, von einer Maschine beurteilt zu werden. Die Menschen müssen mit künstlicher Intelligenz leben und so ausgeliefert die Blue Men auch sind, ist es das Publikum schon lange.

Dieses Verständnis eint, wie die Lust an Action, an durchdringenden Trommelrhythmen, an Rockmusik, an Wissensvorträgen – wie unser Auge Farben erkennt – und an träumerischen Szenarien. Dann fliegen riesige Bälle durch den Musical Dome und drei Papierkanonen jagen ihre weißen wie farbigen Streifen in die Luft – das erstaunt wieder.

Mit modernen Märchen wird noch ein anderer Ton getroffen. Aus dem Off ist von einem Kanalsystem die Rede, das die ganze Welt verbindet. Und auf dem Monitor wird die Illusion animiert, bis vom Problemfall gesprochen wird, der die Röhren unter Druck setzt – verstopft. Die Dinge sind voller Leben, ist eine Botschaft in Köln, und die Blue Men schlagen mit ihren Sticks gegen die Röhren, die sich bewegen, und auf die Röhren, das es nach einer Plauderei klingt. Es gibt Vergleichbares („Stomp“).

1987 starteten Matt Goldman, Phil Stanton und Chris Wink in der New Yorker Undergroundszene ihre Straßenshows. Seit 1991 touren sie als Blue Man Group durch die Welt, haben fünf feste Standorte in den Staaten (unter anderem Las Vegas) und in Berlin. Sie entwickeln neue Shows, gründeten eine Schule für 300 Kinder in New York und werben für große Firmen wie Intel. Der Erfolg hält an.

Dabei geht es nur um kurze Bühnennummern, die uns die drei Kunstfiguren näher bringen. Eine ergreifende Geschichte wird nicht erzählt. Aber die Nummern lassen sich an den Zeitgeist anpassen, oder an den Musikgeschmack. „Viva Colonia“ und „Verdamp lang her“ sind in Köln zu hören. Der ethische Kern der Blue Men liegt im „human“ – menschlich eben –, so fühlt sich die Show an, die sich an uns anpasst.

Wer allerdings in der letzten Reihe sitzt, muss sich in Köln aus Zaungast fühlen. Die Lichtshow blendet zeitweise und an die bunt erleuchteten Bälle kommt man auch nicht ran. Keine Zugabe. Zählen wir wirklich alle zur Blue Man Group?

Bis 17. 12.; Tel. 01806 / 999 0000 und 57 0000 für 20 Cent/min. aus dt. Festnetz; weitere Stationen Hamburg, Frankfurt, Köln (11. – 31. 12. 2018), Essen (3.1. – 6.1. 2019), Bremen, München, Leipzig, Frankfurt.

www.blueman.com

Quelle: wa.de

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