Bibliothek des Deutschen Kochbuchmuseums hat neuen Standort in Dortmund

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Kuchenrezepte vor 40 Jahren: In der Bibliothek des Deutschen Kochbuchmuseums gibt es 10 000 Bücher. Am neuen Standort in Dortmund finden sich Anregungen für die eigene Küche und Details zur Sachbuchgeschichte.

DORTMUND - Kennen Sie den Angel Cake? Eine amerikanische Torte, die zur Osterzeit gebacken wird – mit tatsächlich 34 Eiern. Und weil Ostern nicht mehr weit ist, erinnert das Deutsche Kochbuchmuseum an diesen „Engelskuchen“. Das Rezept ist in der April-Ausgabe von 1974 der Zeitschrift „Essen & Trinken“ erschienen – „Das delikate Monster“.

DORTMUND - Kennen Sie den Angel Cake? Eine amerikanische Torte, die zur Osterzeit gebacken wird – mit tatsächlich 34 Eiern. Und weil Ostern nicht mehr weit ist, erinnert das Deutsche Kochbuchmuseum an diesen „Engelskuchen“. Das Rezept ist in der April-Ausgabe von 1974 der Zeitschrift „Essen & Trinken“ erschienen – „Das delikate Monster“.

Solche Begegnungen ermöglicht die historische Bibliothek des Deutschen Kochbuchmuseums, die ihren neuen Standort in der Berswordt-Halle am Dortmunder Stadthaus bezogen hat. Hier liegt das Rezept zum Angel Cake aus und viele mehr zum Oster-Thema.

Seit 2011 wird ein neuer Standort für das Deutsche Kochbuchmuseum in Dortmund gesucht. Damals musste die Dauerausstellung des Museums im Westfalenpark aufgegeben werden, weil die Räume nicht mehr zur Verfügung standen. Gisela Framke, stellvertretende Direktorin vom Museum für Kunst- und Kulturgeschichte (MKK), hatte 1988 das Kochbuchmuseum aus einer Projektarbeit heraus gegründet. Heute ist sie froh über den Ladenshop in der Berswordt-Halle. Der 30. Geburtstag des Museums steht an. Auch Kulturdezernent Jörg Stüdemann (SPD) strahlt und spricht von „heroischen Damen“. Der Politiker meint das Engagement der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen des Vereins proKultur, die sich öffentlich bemerkbar machten. Ohne ihre Initiative gäbe es die „Shoplösung“ nicht, und 14 000 Kochbücher würden im Depot der Stadt- und Landesbibliothek in Dortmund schmoren. Denn die „Bibliothek“ des Kochbuchmuseums musste im Februar den Westfalenpark verlassen. Die Präsenzbibliothek hatte ihr Schaufenster verloren.

Und in Zukunft? Der Plan, das Deutsche Kochbuchmuseum am neuen Standort der Volkshochschule (VHS) unterzubringen, floppte. Der Löwenhof, ein historisches Gebäude (1913) nahe des MKK in der Innenstadt, hatte statische Mängel. Die VHS, die dort unterkommen sollte, musste 2016 umplanen und fürs Kochbuchmuseum gab es erst mal keine Bleibe.

Mittlerweile verspricht Kulturdezernent Stüdemann, dass der Rat noch vor dem Sommer den Beschluss für ein neues VHS-Gebäude fassen wird. Und bis dahin ist die Bibliothek des Deutschen Kochbuchmuseums in der Berswordt-Halle zuhause. „Es ist der meistfrequentierte Ort in Dortmund nach dem Bahnhof“, sagt Jörg Stüdemann.

Gute Voraussetzungen bieten aber vor allem die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen, die bei Rezeptsuche und Menüauswahl helfen. Auch Recherchen zu wissenschaftlichen Arbeiten werden hier geleistet. Einem Linguisten aus Essen wurde geholfen, der eine Promotion über „Sprachveränderungen in Kochrezepten“ schrieb.

Wer nach Dortmund kommt, kann sich Kochbücher des 19. und 20. Jahrhunderts anschauen – nicht ausleihen. Die 4000 Bände, die ab 2012 eingestellt wurden, sind im Depot verwahrt und über Suchanfragen zu bekommen – zum Anschauen. Studenten des Fach Geschichte machen meist Fotos mit dem Handy und schreiben nichts mehr auf, ist die Erfahrung der Mitarbeiterinnen. Kopiert werden darf hier nichts, weil die Bücher sonst Schaden nehmen. Insgesamt sind nun 10 000 Bände in der Bibliothek.

Alle Titel sind digital erfasst und auf Karteikarten notiert. Es gibt verschiedene Abteilungen, wie „Kriegs- und Notzeiten“. Seit dem Jahr 2000 sei der ungeordnete Buchbestand bearbeitet worden, sagt Annie Sarfeld, Vorsitzende des Vereins proKultur.

Auf der Internetplattform des LWL-Museumsamtes „Museum digital“ sollen 500 Titel des Kochbuchmuseums digitalisiert und vorgestellt werden. Das Team traut sich mehr zu. „Und eventuell weiten wir die Öffnungszeiten aus“, sagt Gisela Framke.

Das älteste Exemplar des Museums, eine Erstausgabe von Henriette Davidis’ Kochbuch (1845), liegt im Tresor des MKK, weiß Elke Torspecken, die Registrarin des MKK. Eine Davidis-Ausgabe „Praktisches Kochbuch für gewöhnliche und feinere Küche“ von 1861 ist allerdings in der Bibliothek einsehbar – in Leinenpapier.

Wer sich mit alten Kochbüchern befasst, weiß, dass erst im Deutschen Kaiserreich 1871 alle Maße vereinheitlicht wurden. Bis dahin gab es Braunschweiger Lot, Oldenburger Quartier, Dresdener Kanne. Kochbücher waren schwer zu lesen. Johanna Jannack sagt, dass jede Frau im 19. Jahrhundert wusste, beim Backen muss es schnell gehen. Welche Backformen gebraucht wurden, war klar. „Backen Sie bei mäßiger Hitze“ und „nehmen Sie etwas Mehl“ – Erfahrungswerte. „16 Eier für einen Kuchen waren ganz normal“, sagt Johanna Jannack. Denn das steifgeschlagene Eiweiß musste als Treibmittel Mehl und Nüsse in Bewegung bringen. Backpulver war noch nicht erfunden. Und mit dieser neuen Zutat änderten sich die Kuchenrezepte. Aber wohl nicht in Amerika, wo zum Osterfest noch 34 Eier in den 1970er Jahren verbacken wurden – im Angel Cake.

mittwochs 10 bis 14 Uhr; Tel. 0231/50 25742 (mittwochs) Tel. 0231/50 25515 (MKK)

Quelle: wa.de

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