Berlinale: Marie Bäumer brilliert als Romy Schneider in „3 Tage in Quiberon“

Die brillante Anverwandlung eines europäischen Stars: Marie Bäumer spielt Romy Schneider in „3 Tage in Quiberon“. - Fotos: Berlinale

BERLIN - Am Anfang ist sie im Profil zu sehen: Romy Schneider. Sie schaut aufs Meer, spürt den Wind in ihren Haaren und den Blick des Zuschauers. Langsam dreht sie sich zur Kamera und zum Publikum. Wer wird uns nun gezeigt, wen erkennen wir? Die Regisseurin Emily Atef stellt sich mit ihrem Porträtfilm „3 Tage in Quiberon“ diesen Fragen.

Zu Romy Schneider (1938–1982) geht es auch 36 Jahre nach ihrem Tod noch um ihre Persönlichkeit. Sie ist ein Phänomen des bundesdeutschen Films der 50er Jahre als „Sissy“-Darstellerin. Und sie ist die begehrteste Schauspielerin des europäischen Kinos der 60/70er Jahre. Beides ließ sich nicht vereinbaren, weil ihr der Weg nach Frankreich, die Ehe mit Alan Delon und der Erfolg als selbstbestimmte Frau hierzulande geneidet wurden. Sie hatte ihr Vaterland verraten, war die kleinkarierte und böse Verurteilung.

Dass es nun im Wettbewerb der Berlinale einen Film gibt, hat vor allem mit Marie Bäumer zu tun. Sie ähnelt Romy Schneider und stimmte Atefs Projekt zu, einen Moment im Leben des Filmstars herauszuheben. Für ein ganzes Biopic war Bäumer, die seit zehn Jahren in Frankreich lebt, nicht zu haben. „3 Tage in Quiberon“ basiert auf einem Stern-Interview von Michael Jürgs und den Fotos von Robert Lebeck 1981 in der Bretagne. Deshalb ist es ein Schwarzweißfilm geworden. Lebecks Aufnahmen haben Romy Schneiders Bild in der Öffentlichkeit dominiert. Der Film fügt visuell nichts hinzu. Und das funktioniert ungemein gut. Wie Marie Bäumer lacht, wie sie die Haare aus dem Gesicht streicht, die Zigarette anzündet und die sprunghafte Art der Schneider fühlbar macht; das ist großartiges Schauspiel und erfüllt jede Szene.

Es ist ein Kammerspiel am Meer gelungen, das vor allem diejenigen bedient, die noch einmal an diese außergewöhnliche Frau denken wollen. Dabei müssen in dem Film alle Beteiligten ihre Haltung zu Romy immer wieder finden. Die Freundin (Birgit Minichmayr) wird erst sehnsüchtig erwartet, dann zurechtgewiesen, bis sich Romy dafür entschuldigt. Der Fotograf (Charly Hübner) wird mit offenen Armen empfangen und irgendwann ins Bett gebeten, um die Schauspielerin in der Krise zu trösten. Der Journalist (Robert Gwisdek) setzt zu seinen zynischen Einlassungen mehrfach an. Romys gescheiterte Ehe, ihre Mutterrolle, das finanzielle Debakel und Deutschland, wo sie sich nicht mehr wohl fühlt, sind Themen, die sie freundlich, offen und verletzlich beantwortet. Wie der Stern-Journalist das Interview am Ende bringt, überlässt sie ihm. Heutzutage wäre das ein unglaublicher Vorgang, weil Agenturen jeden Schritt von Filmstars in die Öffentlichkeit als wertige Vermarktung definieren.

So ist „3 Tage in Quiberon“ auch ein Zeitdokument. Als Magazine millionenfach gedruckt wurden, sorgte eine Story für Popularität und Aufmerksamkeit. „Im Moment bin ich ganz kaputt“ war die Geschichte im Stern damals getitelt. Ein Verkaufshit.

Regisseurin Emily Atef („Das Fremde in mir“) zeigt ein feines Gespür für die tragische Lage dieser verlorenen Frau. Atef, die in Berlin geboren ist und einen französischen Pass hat, lässt einen in psychische Abgründe schauen, aber deckt kein dunkles Loch auf. Sie will nicht die ganze Wahrheit über das Treffen in Quiberon ermitteln. Aber ihr Film führt zu einer sensiblen Künstlerin, die auf ihrem Lebensweg nur Freunde für den Moment fand. Letztlich erwartete Romy Schneider von sich selbst das Unmögliche und hoffte zum falschen Zeitpunkt auf Hilfe. Das war auch in der Bretagne so, wo ein Interview entstand, das in der Bundesrepublik zum Tagesgespräch wurde.

Quelle: wa.de

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