Die Band Incubus packt ihre Hits bei Kölner Konzert aus

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Köln - Am Ende sind die Fans im Kölner Palladium restlos glücklich: Nachdem die Band als Zugabe "Drive" intoniert hat, steht auf der Wunschliste fürs Incubus-Konzert hinter jedem Hit ein Häkchen.

Das US-amerikanische Quintett tourt derzeit und anlässlich der letztjährigen Veröffentlichung seines achten Studioalbums „8“ durch Europa. Im Vordergrund steht die Platte dabei allerdings nicht. Vielmehr pickt sich die Band um Sänger Brandon Boyd die Sahnestückchen ihrer Karriere heraus. Und davon gibt es einige.

Denn schon vor 27 Jahren gründeten Boyd und seine Mitstreiter die Gruppe. Drei der fünf Musiker aus den Anfangstagen sind heute immer noch dabei, einer Zeit, als der Grunge gerade das große Ding war. Nirvana veröffentlichten „Nevermind“. Pearl Jam brachten „Ten“ heraus. „Blood Sugar Sex Magik“ war das fünfte Album der Funkrocker Red Hot Chili Peppers. Und Faith No More kombinierten wie kaum eine andere Band facettenreich Musikstile. Sie alle haben ihren Einfluss auf das musikalische Amalgam gehabt, das das Werk von Incubus bis heute umfasst.

Incubus gibt Konzert im Kölner Palladium

Spätestens seit Beginn der 2000er Jahre ist das Quintett auch eine Band für die Charts und weit entfernt davon, ein Dasein als Nischenprodukt zu fristen. „Morning View“ (2001), „A Crow Left of the Murder…“ (2004) und „If Not Now, When?“ (2011) erreichten jeweils Platz zwei der US-Album-Charts. „Light Grenades“ schaffte es 2006 gar an die Spitze der Top-Ten. Seitdem sind eine Menge Incubus-Songs nicht mehr aus dem großen Kanon des Alternative-Rock wegzudenken.

Auch Jahre später sind die Stücke omnipräsent, wenn irgendwo der Bandname fällt. Auch beim Konzert in Köln braucht es nur die ersten Takte, einen bestimmten Anschlag der Gitarrensaiten, einen Klang aus Chris Kilmores Turntable- und Keyboard-Equipment, und es geht ein Raunen durchs Palladium. Sänger Brandon Boyd, leger gekleidet und die Songs impulsiv interpretierend, kennt die Textsicherheit seiner Fans. Sie ist auch nicht zu überhören. Dann reckt er das Mikro nach vorne, die Band reduziert die Instrumentierung, und die Halle singt lauthals zu „Pardon Me“ und „Nice to Know You“.

Es gibt an diesem Abend sehr viele Songs zum Mitmachen. Manch ein Besucher wird am nächsten Morgen sprechen, als habe er Rasierklingen verschluckt. Das Quintett verführt das Publikum aber auch mit Leichtigkeit: Die Songs der Band sind – vor allem, wenn es zum Refrain kommt - dermaßen melodiös, dass einfach mitgesungen werden muss. Mit einer Mischung aus harten Nummern wie „Privilege“, „Circles“ und „Calgone“ und stilleren Stücken wie „Love Hurts“ und „The Warmth“ beweisen die Musiker ihr Händchen für breit gefächerte Stimmungen.

Die war nach den politischen Geschehnissen in den USA im Zuge der letzten Präsidentschaftswahlen im Keller. Das Album „8“ entstand in der Zeit des Umbruchs. Zu Beginn der Arbeiten war noch Obama Staatsoberhaupt, am Ende saß Trump im Weißen Haus. Auch kulturelle Veränderungen hat Brandon Boyd in seinem Heimatland in diesem Zug ausgemacht. Solche Krisen wirkten als große Inspiration für die Kunst, beschrieb der 42-Jährige in einem Interview. In Zeiten von Spannungen entstehen eben die stärksten Statements, etwa „No Fun“, ein wütendes, wenngleich eingängiges Riffmonster.

Gute Laune haben die Jungs von Incubus entgegen des Songtitels trotzdem. Sie sind ja eigentlich von der sehr entspannten Sorte. Boyd und Kollegen genießen die Zeit auf der Bühne sichtlich – und auch die Gewissheit, nach all den Jahren musikalisch immer noch relevant zu sein.

Quelle: wa.de

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