Ballet Revolución tanzt in Dortmund

Hebefigur und erotische Akrobatik: Pas de deux aus dem Programm „Ballet Revolución“. Foto: persson

Dortmund – Camila Cabellos Latin-Pop-Song „Havana“, der ein paar schleichende Passagen hat, ist zu einer rhythmischen Temponummer arrangiert worden. In Dortmund stellt das Ballet Revolución sein aktualisiertes Programm vor und macht Druck im Konzerthaus. Hier wird alles geboten, was den Kuba-Export weltweit so erfolgreich gemacht hat: eine perfekte Tanzformation mit viel Körper, Bewegungsfiguren aus dem klassischen Ballett, Lateinamerikanisches wie Rumba, Salsa und Mambo, sowie Streetdance und Contemporary. Dazu spielt die siebenköpfige Live-Band lateinamerikanische Hits und Pop- Musik von Coldplay, David Guetta, Sia, Ed Sheeran und Justin Bieber. Die Choreografen Roclan Gonzalez Chavez und Aaron Cash starten in Dortmund irgendwo zwischen Showtreppe, Bartheke und Tanzboden. In den ersten Auftritten tippen ihre Tänzerinnen und Tänzer alle Stile in kurzen Momenten an, als wollten sie zeigen, was Ballet Revolución kann, was sie ausmacht und was dieser Abend noch bringen wird.

Immer wieder entwickeln sich Choreografien auf der Bühne, in denen Tanzfiguren sichtbar werden, um gleich von anderen Bewegungsfolgen abgelöst zu werden. Ein klassischer Ballettsprung auf Spitzenschuhen gehört dazu, wie einzelne Pirouetten, zwei, drei Paare zeigen Modern Dance und eine Boy-Group kommt hinzu, die in schwarzen Trikotagen coole HipHop-Moves bietet (Kostüme: Jorge Gonzalez, bekannt aus „Let’s Dance“ auf RTL). Das unterschiedliche Tanzkulturen gleichzeitig von den sechs Tänzerinnen und 13 Tänzern vorgeführt werden, ist eine unvergleichliche Mischung und das Profil von Ballet Revolución. Die Energie der Tanzkunst wird hier spürbar als ein ewiger Quell für Bewegung und für ein Miteinander.

Und immer wieder diese Körperlichkeit. Zu „Human“ von Rag’n’Bone Man arbeiten die Oberkörpermuskeln der Tänzer. Body Culture wird auch zu „It’s a Man’s World“ gefeiert. Das Spotlicht strahlt Muskelpartien und Oberarmtattoos an, jede Bewegung wird zur kernigen Silhouette markiger Männlichkeit. Produzent Marc Brady weiß, dass das internationale Tanzpublikum vor allem weiblich ist. Zur Weihnachtszeit sind Veranstaltungskarten ein nettes Geschenk.

Musikalisch wird der Abend nach der wuchtigen Percussion-Dominanz („Lola’s Mambo“, „Mambo 100“) im zweiten Teil vielfältiger (Arrangeur: Osmar Salazar Hernandez). Manchmal waren die Choreografien so zielstrebig ausgetanzt, dass es im ersten Teil ein wenig an Emotionen fehlte. Dagegen lässt „Trompeta“, eine Eigenkomposition der Band von Thommy Garcia Rojas, das Ensemble zu weichen Grooves und spitzen Trompetenstößen ein zeitloses Bild einer jungen städtischen Community entwerfen. Es sind Menschenbilder, die das Ballet Revolutión erschafft, ohne ein erzählerisches Tanztheater zu sein.

Und natürlich Erotik. Die spanische Gitarre erklingt zu „Concierto de Aranjuez“ und neben dem einen Paar, das sich akrobatisch über einem Stuhl verbindet, leuchtet ein weiterer Lichtkegel auf. Auch die zweite Tänzerin schwebt über dem Partner auf seinen Händen – einfach atemberaubend, auch die Hebetechnik. Diese sinnliche Parallelveranstaltung demonstriert, wie unerbittlich das Ballet Revolución an Superlativen arbeitet. Sie haben Kraft und Ästhetik selbst für zwei Aufführungen am Tag.

Zu David Guettas (feat. Will.i.am) „Nothing Really Matters“ geht es wieder leichter zu: Streetdance dominiert mit großartigen Bodenfiguren und Lebensfreude. Zu „I don’t care“ von Sheeran und Bieber, ein neues Stück im Programm, duellieren sich zwei Tänzer mit kämpferischen Sprüngen. Szenenapplaus spendet das Publikum bei Ushers Hit „Falling in Love again“. Und Sängerin Janine Johnson begeistert mit ihrer Soulstimme auch zu „Shallow“. Zum Ende stand das Dortmunder Publikum vor Begeisterung und konnte sich auch für die zwei Zugaben nicht mehr setzen.

Tanz

Eine unvergleichliche Mischung aus Ballett, Rumba, Salsa, Mambo, Contemporary, Akrobatik und HipHop.

Ballet Revolución im Konzerthaus Dortmund.

28. und 29. 12., jeweils zwei Vorstellungen, nur noch Restkarten; Tel. 0231 22696200; Tickethotline 01806/1010 11 (20 Cent im Festnetz/ bis zu 60 Cent im Mobilfunk)

Düsseldorf, Capitol Theater 7. bis 12. 1.; Köln, Musicaldome 4. bis 9. 2.; Essen, Colosseum Theater 18. bis 23. 2.

Quelle: wa.de

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