Abschiedsgala von Hannes Brock

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Nahm Abschied: Kammersänger Hannes Brock.

DORTMUND - Seinen Barhocker hat Hannes Brock auch dabei. Auf den setzt er sich, um Billy Joels „And so it goes“ zu singen, eins der Lieder, die er liebt. Es ist Gala-Zeit. Kammersänger Hannes Brock, 65, verabschiedet sich nach fast 26 Jahren. Das Opernhaus Dortmund ist ausverkauft.

Wenige Künstler waren so sehr Lieblinge von Anfang an wie der Tenor. Er darf noch einmal das große Besteck auflegen. Seine Band ist dabei, die Dortmunder Philharmoniker unter Leitung von Philipp Armbruster, als Gäste seine Kollegen Emily Newton und Morgan Moody. Zum Auftakt gibt es das Stück, mit dem er sich 1992 als Zaza gleich in die Herzen sang: „Mascara“ aus dem Musical „La Cage aux Folles“, am Ende sein Dortmunder Lied daraus, „I am what I am“.

Von da an glänzte Brock in vielen Rollen. Er nahm die leichte Muse so ernst wie die Oper. Natürlich stand er in großen Rollen auf der Bühne, in den Opern Mozarts, als Loge in Wagners „Rheingold“, in Brittens „Peter Grimes“, auch als Millionär in Mark-Anthony Turnages Oper „Anna Nicole“ und in „Einstein on the Beach“ von Philip Glass.

Seine Gala „Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut“ aber widmet er der Unterhaltung. Da beglückt er das Publikum noch einmal mit Songs aus den Musicals, in denen er auf der Bühne stand. Er gibt auch noch etwas dazu, ein paar Sätze Text, damit der Higgins, das Ekel aus „My fair Lady“, erkennbar wird oder auch der Milchmann Tevje aus „Anatevka“. Und er singt auch schöne Songs aus Musicals, die er nicht spielen durfte. Bei „The American Dream“ aus „Miss Saigon“ zum Beispiel hat er zum Abschied erstmals ein Orchester, und er kostet das aus, klimpert mit den Fingerspitzen in der Luft, schnüffelt nach Dollars, macht ein paar schleichende Schritte. Er wäre ein feiner Engineer gewesen in Stuttgart, das sieht man.

Sein Programm wählt er mit sicherer Hand, keine Arien, dafür Pop- und Rockklassiker wie Grönemeyers „Der Weg“, Bob Dylans „Forever Young“ (behutsam angerockt) und „My Way“ (als erste von drei Zugaben). Dazwischen plaudert er: dass er sich einen Hund zulegen will, dass er ohne Bühne auskommen kann, aber das Publikum auch nicht berauben will. Er hat seine Verehrer im Griff, gerade jubeln sie ihm stehend zu, er winkt kurz mit den Händen, schon setzen sie sich, um der nächsten Zugabe zu lauschen.

Sie werden nicht ganz auf ihn verzichten müssen. Am Ende versprach er, auch unter dem nächsten Intendanten die eine oder andere Gala zu gestalten.

Noch einmal am 29.4., Tel. 0231/ 50 27 222, www.theaterdo.de

Quelle: wa.de

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