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Telegram: Das steckt hinter der von Attila Hildmann beliebten WhatsApp-Alternative

Der Messenger-Dienst Telegram ist eine Alternative zu WhatsApp. In Diskussion kommt er jedoch durch Verschwörungstheoretiker und Corona-Leugner wie Attila Hildmann. Warum eigentlich?

Hamm - Der Messenger-Dienst Telegram ist eigentliche eine Alternative zu WhatsApp. Nutzbar ist das Chatprogramm als App auf dem Smartphone, Tablet oder Smartwachtes und in der Desktop-Version auf dem PC. Die Nutzer können Textnachrichten, Sprachnachrichten, Fotos, Videos und Dokumente versenden und mit anderen Usern telefonieren - auch per Video.

EntwicklerTelegram Messenger LLP
Gründungsjahr2013 (Januar 2019 von Nikolai Durow aufgelöst)
GründerNikolai und Pawel Durow
FirmensitzJungfernsinseln / Belize
Nutzer400 Millionen Nutzer monatlich (Stand April 2020)

Seit 2013 besteht der Messenger-Dienst bereits - jedoch ist er durch die Coronavirus*-Pandemie und Verschwörungstheoretiker wie Attila Hildmann öffentlich in Diskussion geraten. Dabei hat Telegram eigentlich den Ruf, sicherer zu sein als WhatsApp.

Was ist die WhatsApp-Alternative Telegram? Messenger jenseits von Verschwörungstheorien um Attila Hildmann

Telegram gibt es als App für die Betriebssysteme iOS, Android und Windows Phone. Ebenso gibt es eine Desktop-Variante und eine Webversion, die keine Installation eines Programms benötigt, wie wa.de* schreibt.. Der Messenger-Dienst ist kostenlos. Laut Unternehmen sei das Ziel von Telegram nicht, Gewinn zu machen. Man finanziere sich durch eine Spende von Pawel Durow.

Telegram wurde von den Brüdern Nikolai und Pawel Durow aus Leningrad gegründet. Die beiden Unternehmer sind ebenfalls die Gründer von Russlands beliebtesten sozialen Netzwerk vk.com (zunächst Vkontakte). Pawel Durow wird als russischer Mark Zuckerberg bezeichnet. Sein Vermögen wird von Forbes auf 3,4 Milliarden Euro geschätzt.

Das Entwicklungsteam des Unternehmens Telegram hat laut seiner Homepage seinen Sitz in Dubai - jedoch bezeichnen sich die Gründer und das Entwicklerteam als digitale Nomaden. Ein Großteil der Entwickler des Messengers kommt aus St. Petersburg. Aufgrund lokaler IT-Vorschriften habe man jedoch Russland verlassen müssen und an verschiedenen Standorten wie Berlin, London und Singapur gearbeitet. Sollten sich die Vorschriften in Dubai ändern, will das Team seinen Standort wieder ändern.

Telegram und WhatsApp im Vergleich: Kostenloser Messenger bietet unendlich große Kanäle und riesige Gruppen

Telegram ist wie WhatsApp ein Chatprogramm. Jedoch unterscheidet sich der Messenger von der Konkurrenz wie Signal oder Threema dadurch, dass Telegram ein synchronisierter Cloud Messenger ist. Das heißt, dass alle Chatverläufe sowie Videos, Sprachnachrichten und Fotos auf verschiedenen Geräten erreicht werden kann - jede Datei darf dabei bis zu 1,5 GB groß sein.

Das Unternehmen sagt, dass Telegram kostenlos und ohne Werbung bleiben soll. Im Gegensatz zu WhatsApp ist bei Telegram die Telefonnummer der Nutzer nicht unbedingt öffentlich. So ist es möglich, Gruppen von einer Größe bis zu 200.000 Mitgliedern zu erstellen. Ebenso gibt es Kanäle mit unbegrenzt vielen Abonnenten. Diese Möglichkeit bietet Verschwörungstheoretikern und Corona-Leugnern wie Attila Hildmann eine Plattform. Es ist möglich, in der selben Gruppe mit Michael Wendler, der wegen seiner Verschwörungstheorien seinen Werbe-Deal mit Kaufland verlor, und Xavier Naidoo zu sein, ohne einen Austausch von Telefonnummern zu haben - um jemandem zu schreiben muss man die Telefonnummer oder den Nutzernamen kennen.

Bei WhatsApp können Chats nur maximal 256 Mitglieder haben, Kanäle als solche gibt es überhaupt nicht. Die Telefonnummern sind für die Kontakte erkennbar. Außerdem gehört WhatsApp mittlerweile zu Facebook - der Konzern um Gründer Mark Zuckerberg kaufte den Messenger 2014.

Telegram: keine Verantwortung für Fake News und Verschwörungstheorien

Im Gegensatz zu Facebook und Co. fällt Telegram nicht unter das Netzwerkdurchsetzungsgesetz. Das Gesetz zielt darauf ab, Hasskriminalität, Fake News und andere strafbare Inhalte in sozialen Netzwerken zu bekämpfen. Facebook ist als Unternehmen dazu verpflichtet, Inhalte wie etwa Beleidigungen, Volksverhetzung oder Gewaltdarstellung zu löschen und Konten sperren. Telegram hingegen hat keine Verantwortung für die verschickten Inhalte der Nutzer, weil es zur Individualkommunikation dient und nicht wie Facebook, Instagram und Twitter als soziales Netzwerk.

„Alle Telegram- und Gruppen-Chats sind die Privatsache der jeweiligen Nutzer und wir nehmen keine Anfragen dazu an, diese zu bearbeiten“, heißt es auf der Seite des Unternehmens. Da Kanäle, Bots und Sticker-Pakete jedoch öffentlich zugänglich sind, können diese, wenn sie als illegal betrachtet werden, gemeldet werden.

Telegram löscht keine Inhalte - nur terroristische Bots und Kanäle werden blockiert

Jedoch würden diese Löschungen nicht „im Zusammenhang mit den lokalen Beschränkungen der Redefreiheit“ geschehen. „ Wenn zum Beispiel Kritik an der Regierung in irgendeinem Land verboten ist, ist Telegram keinesfalls ein Teil solcher politisch motivierten Zensur. Dies verstößt gegen die Grundsätze unserer Gründer. Terroristische (z.B. ISIS-bezogene) Bots und Kanäle werden von uns blockiert, jedoch werden wir keinesfalls Nutzer daran hindern, auf friedliche Weise alternative Meinungen zum Ausdruck zu bringen.“

So wurde Telegram zum Lieblingskommunikationsmittel von Attila Hildmann, Xavier Naidoo, der auf Corona-Kritik von Nena auf Instagram reagierte*, Sido, Michael Wendler und Co., die mithilfe von Kanälen und Gruppen ihre Botschaften weiterleiten können, ohne dass diese gelöscht werden müssen, wenn sie gegen Gesetze verstoßen oder Falschmeldungen enthalten. - *wa.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Catherine Waibel/dpa/picture allianz

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