Nach Krawallen am Volksfest

Schorndorfer OB gibt Fehler von Stadt und Polizei zu

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Matthias Klopfer (l, SPD), Oberbürgermeister von Schorndorf und Roland Eisele (r), Polizeipräsident in Aalen bei der Pressekonferenz im Rathaus in Schorndorf nach den Krawallen auf dem Stadtfest.

Schorndorf - Nach den Krawallen beim Volksfest in Schorndorf bei Stuttgart hat Oberbürgermeister Matthias Klopfer Fehler von Stadt und Polizei eingeräumt. Gleichzeitig hat er sich gegen eine verzerrende Darstellung der Ereignisse verwahrt.

Nach der Randale bei einem Volksfest im baden-württembergischen Schorndorf hat sich Bürgermeister Matthias Klopfer (SPD) gegen eine verzerrende Darstellung der Ereignisse verwahrt. Er widersprach am Dienstag Berichten, wonach eine Art von Ausnahmezustand geherrscht habe. Die AfD im Stuttgarter Landtag beantragte für Donnerstag eine aktuelle Debatte unter dem Titel "Die 'Kölner Silvesternacht' ist in der schwäbischen Provinz angekommen".

Schorndorfer OB gibt Fehler von Stadt und Polizei zu

Im Schlosspark, wo die Lage eskaliert war, herrsche generell ab 22.00 Uhr ein Alkoholverbot, sagte der SPD-Politiker am Dienstag im „Morgenmagazin“ von ARD und ZDF. In den Vorjahren habe man beim Stadtfest zwischen Mitternacht und 0.30 Uhr gesagt: „Jetzt dürft ihr aber alle gehen und auch nach Hause gehen.“ Das sei diesmal zu spät geschehen. Klopfer sprach von einer „gemeinsamen Fehleinschätzung der Stadt und der Polizei“.

Weitere Reaktionen auf Krawallnacht in Schondorf

„Dieses Jahr sind wir (...) erst deutlich später in den Schlosspark gegangen. Und mit noch mehr Alkohol nach Mitternacht ist die Situation dann leider eskaliert, wie wir es nicht erwartet haben“, sagte der Oberbürgermeister.

Feuerwehr und Polizei beim Stadtfest in Schorndorf.

Der in Berichten erweckte Eindruck, "dass tausend Jugendliche Randale gemacht haben und quasi Ausnahmezustand in unserer Stadt war, den kann man ganz klar verneinen", ergänzte er. Die Vorfällen seien "kein zweites Köln und kein zweites Hamburg". 

In Köln hatten in der Silvesternacht von 2015 auf 2016 große Männergruppen massenhaft sexuelle Übergriffe auf Frauen und Raubdelikte begangen. Dabei handelte es sich vielfach um Menschen aus Nordafrika. In Hamburg gab es jüngst während des G20-Gipfels tagelange schwere Ausschreitungen. 

Zugleich äußerte sich der Bürgermeister schockiert über die Eskalation und sprach von einer "neuen Qualität" der Gewalt gegen Polizisten. Wie in ganz Deutschland habe die Aggression gegen Beamte auch in seiner Gemeinde zuletzt stark zugenommen. 

AfD-Fraktion beantragt aktuelle Debatte

Derweil beantragte die AfD-Fraktion im baden-württembergischen Landtag für die nächste Parlamentssitzung am Donnerstag eine aktuelle Debatte. Laut offizieller Tagesordnung steht diese unter der Bezeichnung "Schorndorfer Stadtfest: Die 'Kölner Silvesternacht' ist in der schwäbischen Provinz angekommen". 

Nach Polizeiangaben hatten in der Nacht zum Sonntag einzelne Randalierer aus einer Menge von etwa tausend jungen Menschen im Schorndorfer Schlosspark heraus Flaschen auf Polizeibeamte, andere Feiernde und die Fassade des Schlosses geworfen. Die Einsatzkräfte zogen sich demnach zwischenzeitlich kurz zurück. 

Anschließend wurden weitere Beamte aus umliegenden Landkreisen nach Schorndorf geschickt, die Polizei erhöhte ihre Präsenz massiv. Die Polizei teilte außerdem mit, dass es sich bei den im Schlosspark versammelten jungen Leuten "wohl" zu "einem großen Teil" um Menschen mit Migrationshintergrund gehandelt habe. 

Nach Angaben Klopfers wurden in der Nacht auf Samstag in Schorndorf drei junge Frauen sexuell belästigt, in der Nacht auf Sonntag eine weitere. Tatverdächtige hätten bereits von der Polizei vernommen werden können. In einem Fall handle es sich um einen Iraker, in einem anderem um drei Afghanen. 

Im Schlosspark seien zunächst zwei Gruppen miteinander in Streit geraten und hätten Flaschen aufeinander geworfen, sagte Klopfer im ZDF weiter. Dann sei "die Lage leider etwas eskaliert, und es wurden auch Flaschen gegen die Polizei geworfen". Zu den zwei Gruppen habe jeweils eine "untere zweistellige Zahl" von Menschen gehört. Wer die Gewalttäter seien und welcher Nationalität sie angehörten, sei unklar. 

Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, forderte im Südwestrundfunk von Volksfestveranstaltern mehr Anstrengungen bei der Sicherheit. Diese müssten mehr Geld für private Sicherheitsdienste ausgeben. Auch die Kommunen seien in der Pflicht und müssten mit Platzverweisen reagieren.

AFP/dpa

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