Ernste Bedrohung für Riffe

Korallenrettung: Neue Falle für gefräßige Seesterne

Dornenkronen-Seesterne grasen auf einem Korallenriff und hinterlassen weiße Korallenskelette. Foto: Oceanwide Images

Dornenkronen-Seesterne fressen Korallenriffe in vielen Meeresregionen kahl. Wie man sie wieder loswird, verrät vielleicht ihr Erbgut.

Townsville (dpa) – Wissenschaftler wollen korallenschädigende Dornenkronen-Seesterne in eine Falle locken. Eine Erbgut-Analyse brachte die Forscher aus Australien und Japan auf die Idee. Sie identifizierten Botenstoffe, die die Tiere zur gegenseitigen Verständigung ins Wasser abgeben.

Imitationen solcher Stoffe könnten eingesetzt werden, um die Tiere in ihrer Bewegung zu beeinflussen, schreiben die Forscher im Fachblatt "Nature".

Dornenkronen-Seesterne (Acanthaster planci) sind in der jüngeren Vergangenheit zu einer ernsthaften Bedrohung für viele Korallenriffe geworden, etwa am australischen Great Barrier Reef. Die Tiere ernähren sich von Steinkorallen. Besonders problematisch dabei ist, dass meist Tausende Seesterne gemeinsam über die Korallen herfallen. Die Riffe brauchen Jahre, um sich von so einer Attacke zu erholen.

In den vergangenen Jahrzehnten sind die Abstände zwischen dem Massenauftreten der Dornenkronen allerdings immer kürzer geworden. Fachleute fürchten, dass die Zeit für die Erholung der Korallen nicht mehr ausreicht.

Die starke Ausbreitung der Seesterne ist vermutlich vor allem darauf zurückzuführen, dass die Ökosysteme bereits geschädigt sind. So begünstigten etwa Düngemittel das Algenwachstum – die Hauptnahrung der Dornenkronen-Larven. Wenn gleichzeitig deren Fressfeinde aus den Meeren weggefischt werden, steht der Ausbreitung der gefräßigen Seesterne nichts mehr im Wege.

In vielen Regionen werden die Dornenkronen deshalb intensiv bekämpft. Sie werden etwa von Tauchern einzeln per Giftspritze getötet – ein sehr aufwändiges Verfahren, mit dem die Plage nur schwer in den Griff zu bekommen ist. Auf der Suche nach neuen Bekämpfungsstrategien analysierten die Forscher um Michael Hall vom Australian Institute of Marine Science (AIMS) nun zwei Exemplare von Dornenkronen-Seesternen. Eines vom Great Barrier Reef in Australien und eines aus dem mehr als 5000 Kilometer entfernten Okinawa in Japan.

Die Untersuchung ergab zunächst, dass die Tiere sich trotz der Entfernung genetisch sehr ähneln. Dies erleichtere gegebenenfalls die großflächige Anwendung einmal entwickelter Bekämpfungsmittel. Als nächstes untersuchten die Forscher, welche Proteine die Tiere ins Wasser abgeben. Sie fanden zahlreiche Botenstoffe, die die Tiere freisetzen, wenn sie sich etwa zur Vermehrung versammeln oder sich vor Gefahren warnen.

Sie testeten dann die Wirkung einzelner Botenstoffe genauer: Sie gaben dazu etwa "Versammlungsproteine" in den einen Arm eines zweiarmigen Testkanals, in den anderen klares Wasser. Tatsächlich bewegten sich die Seesterne in Richtung der Botenstoffe. In Ködern eingesetzt, könnten solche Signalstoffe die Tiere anlocken, was ihre anschließende Beseitigung erheblich vereinfachen würde, schreiben die Forscher. Gaben sie hingegen Signalstoffe des Tritonhorns – einer Schnecke, die die Dornenkronen frisst – in den Testkanal, wählten die Seesterne den signalstofffreien Arm des Kanals.

Die Studie zeige, wie durch die Kombination von genetischen Daten, Zell- und Gewebeuntersuchungen und experimentellen Ansätzen praxisrelevante Strategien wie Schädlingsbekämpfungsmethoden untersuchen werden können, kommentiert Mónica Medina von der Pennsylvania State University (US-Staat Pennsylvania) die Arbeit. "Massenvermehrungen von Dornenkronen-Seesternen aufzuhalten scheint auf einmal ein erreichbares Ziel, auf regionaler und globaler Ebene."

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