Kokainbaron droht lebenslange Haft

„El Chapo kennt nichts als Verbrechen, Gewalt, Tod und Zerstörung“

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Die Gerichtszeichnung zeigt den mexikanischen Drogenboss Joaquin “El Chapo“ Guzman (M) in einem Gericht in New York (USA).

New York - Dem mächtigen Drogenboss wird in New York der Prozess gemacht. Mit der Auslieferung in die Vereinigten Staaten geht seine kriminelle Karriere zu Ende.

Joaquín „El Chapo“ Guzmán Loera hat sein Sinaloa-Kartell wie einen kriminellen Großkonzern geführt. Der Prozess gegen den mexikanischen Drogenboss in New York dürfte eine Mischung auf Wirtschafts- und Strafverfahren werden. „Guzmán Loera ist der mutmaßliche Anführer einer kriminellen, multinationalen, Multi-Milliarden-Firma, die Drogen auf unsere Straßen und Gewalt und Elend in unsere Gesellschaft gebracht hat“, sagt die geschäftsführende US-Justizminister Sally Yates.

„El Chapo“ hatte über Jahrzehnte Angst und Schrecken verbreitet, Milliarden verdient und die Ermittler genarrt. In Mexiko türmte der mächtige Drogenboss gleich zweimal aus Hochsicherheitsgefängnissen. Auch während seiner Haft führte der brutale Verbrecher und gewiefte Unternehmer seine illegalen Geschäfte weiter. Damit soll nun Schluss sein. Am Tag vor dem Regierungswechsel in Washington lieferte Mexiko seinen prominentesten Gefangenen an die USA aus.

„Mexikanische Sicherheitsbeamte sind bei der Jagd auf ihn ums Leben gekommen. Wir werden ihr Opfer würdigen und Gerechtigkeit herstellen“, sagt Yates bei der Verlesung der Anklagepunkte am Freitag. Die Staatsanwaltschaft mitten in Brooklyn ist weiträumig abgesperrt. Schwer bewaffnete Polizisten mit Spürhunden bewachen das Gebäude.

Auch drinnen wollen die US-Behörden Stärke demonstrieren - und Zusammenhalt. Nicht weniger als 20 Vertreter von Staatsanwaltschaften, Polizei, Drogenaufsicht und anderen Behörden reihen sich hinter dem New Yorker Staatsanwalt Robert Capers auf, der als erster ans Rednerpult vortritt.

„Wer ist Chapo Guzmán?“, fragt Capers in die Runde der Dutzenden Journalisten und Kamerateams. „Kurz gesagt, er ist ein Mann, der in seinem Leben nichts anderes als Verbrechen, Gewalt, Tod und Zerstörung kennengelernt hat - und jetzt wird er sich dafür verantworten müssen.“

Guzmán soll persönlich für bis zu 3000 Morde verantwortlich sein. Sein Kartell überschwemmte die USA mit Heroin und Kokain. Die Chicago Crime Commission, eine unabhängige Organisation zur Kriminalitätsbeobachtung, erklärte Guzmán zum Staatsfeind Nummer 1. Diese Bezeichnung war zuvor nur für den US-Gangster Al Capone vergeben worden.

Die Anklageschrift gegen den Mann mit den vielen Namen umfasst nun 26 Seiten mit zahlreichen Abbildungen. „Die Vereinigten Staaten von Amerika gegen Joaquín „El Chapo“ Guzmán Loera, auch bekannt als „El Chapo“, „El Rapido“, „Chapo Guzman“, „Shorty“, „El Senor“, „El Jefe“, „Nana“, „Apa“, „Papa“, „Inge“ und „El Viejo““, heißt es darauf.

„Mindestens 200 Tonnen Kokain in die USA geschmuggelt“

Der 59-Jährige habe mindestens 200 Tonnen Kokain in die USA geschmuggelt - per Flugzeug, durch Tunnel, sogar in U-Booten. Hinzu kommen tonnenweise Heroin, Methamphetamin und Marihuana. Über 14 Milliarden US-Dollar rund 13 Milliarden Euro) soll „El Chapo“ nur mit dem Rauschgifthandel in den USA und Kanada verdient haben. Guzmán habe die Straßen der USA mit Drogen „überschwemmt“ und damit „unsere Gesellschaft vielerorts zerstört“, sagt Wifredo Ferrer, Staatsanwalt aus Florida.

Insgesamt 17 Punkte führt die Anklageschrift gegen Guzmán auf, darunter die Führung einer kriminellen Unternehmung, Drogenschmuggel, illegale Waffennutzung und Geldwäsche. Falls er nur in einem dieser Punkte für schuldig befunden würde, droht ihm schon eine lebenslange Haftstrafe. Die Todesstrafe sei nach Absprache zwischen den Behörden in den USA und Mexiko aber ausgeschlossen, sagt Staatsanwalt Capers.

Es gebe mehr als 40 „hochkarätige Zeugen“, außerdem viele Beweise wie sichergestellte Drogen. Guzmán plädiert vor dem Richter in New York trotzdem erstmal auf „nicht schuldig“. Schon nach einer Verhaftung 2014 in Mexiko hatte der Kokain-Baron sich als einfacher Bauer bezeichnet. Er habe Mais, Hirse und Öldisteln angebaut und monatlich nur 20 000 Pesos (rund 1000 Euro) verdient, sagte er damals.

Wann der Prozess in den USA beginnen soll, ist noch unklar. Eins sei aber sicher, sagt Angel Melendez vom Heimatschutzministerium: Guzmán werde nicht wieder ausbrechen. „Es wird kein Tunnel zu seinem Badezimmer gegraben werden.“ Vor eineinhalb Jahren war „El Chapo“ durch einen 1,5 Kilometer langen, professionell angelegten Schacht aus einem Hochsicherheitsgefängnis getürmt. Die Flucht war eine Blamage für die mexikanische Regierung.

Als Guzmán in der Nacht zum Freitag auf einem kleinen Flughafen in der Nähe von New York ankommt, will Melendez etwas ganz Neues in den Augen des mächtigen Kartellbosses bemerkt haben. „Wir haben Überraschung gesehen, Schock und Angst - Angst vor der amerikanischen Justiz.“

dpa

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