Strafe sorgt für Kritik

Corona in Nigeria: Massiver Anstieg von Vergewaltigungen während Lockdown - Land führt „barbarische" Strafe ein

Zwei nigerianische Frauen sitzen von der Kamera abgewandt auf einer Holzbank.
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In Nigeria stiegen die Vergewaltigungszahlen während Corona stark an. Ein neues Gesetz soll nun Abhilfe schaffen. (Symbolbild)

Während des Lockdowns wegen des Coronavirus stiegen in Nigeria die Zahlen von Vergewaltigungen stark an. Ein neues Gesetz sieht für Täter eine „barbarische“ Strafe vor.

  • In Nigeria herrschte wegen des Coronavirus lange Zeit eine Ausgangssperre.
  • In dieser Zeit stiegen die Fälle von Vergewaltigungen stark an.
  • Im Bundesstaat Kaduna soll ein neues Gesetz die Zahl der Übergriffe nun durch eine „barbarische" Strafe senken.

Kaduna/Nigeria - Aufgrund des grassierenden Coronavirus* und den damit verbundenen staatlichen Maßnahmen zum Schutz vor einer zu hohen Ansteckungsrate mit Covid-19* warnten Experten schon zu Beginn der Pandemie vor mehr häuslicher Gewalt in Quarantäne. Auch eine steigende Zahl von Vergewaltigungen wurde in diesem Zusammenhang befürchtet. In Nigeria waren in Teilen des Landes besonders viele Frauen und Mädchen von den Folgen des Lockdowns in betroffen.

Im Zeitraum von Januar bis Mai wurden in dem westafrikanischen Land mehr als 700 Vergewaltigungen gemeldet. Das Problem stellen häufig auch offenbar diejenigen dar, die die Opfer in Nigeria eigentlich schützen sollten. „Ich habe Fälle von kleinen Mädchen betreut, wo die Polizei dann gefragt hat, ob sie die Vergewaltigung genossen hat“, wird eine Sprecherin von Human Rights Watch in einem Bericht der Tagesschau zitiert. „Das ist inakzeptabel. Wir brauchen besseres Training für die Polizei und Spezialeinheiten in jeder Polizeistation - damit sie mit den Opfern ordentlich umgehen und ermitteln.“

Nigeria führt Kastration als Strafe für Vergewaltiger ein - steigende Zahlen von Übergriffen seit Corona

Bereits vor Corona kam es vor allem gegenüber Kindern häufig zu Übergriffen. Einer UNICEF-Studie aus dem Jahr 2015 zufolge sollen jedes vierte Mädchen und jeder zehnte Junge im Land noch vor ihrem 18. Lebensjahr sexuelle Gewalt erfahren haben. Die starke Zunahme an Vergewaltigungen während des Lockdowns veranlasste die Gouverneure der 36 Bundesstaaten von Nigeria jedoch bereits im Juni dazu, den Notstand auszurufen.

Neue Gesetze und eine bessere Ausbildung der Polizei wurden angekündigt. Nach monatelangen Protesten, an denen sich tausende Frauen beteiligt hatten, greift ein Bundesstaat im Norden von Nigeria jetzt zu harten Maßnahmen, um der steigenden Zahl von Vergewaltigungen im Land zu begegnen. In Kaduna können Täter ab sofort mit Kastration bestraft werden.

Wie Gouverneur Nasir el-Rufai auf Twitter mitteilte, seien „diese drastischen Strafen erforderlich, um Kinder vor einem schweren Verbrechen zu schützen“. Das neu beschlossene Gesetz sieht vor, dass verurteilten männlichen Vergewaltigern die Entfernung der Hoden, weiblichen die Entfernung der Eileiter droht. Bei Opfern unter 14 Jahren müssen die Täter zudem die Todesstrafe befürchten.

Die neue Gesetzeslage in dem konservativen Bundesstaat erhält im Land viel Zustimmung, stößt jedoch auch auf Kritik. So etwa durch den Verband der Christen (CAD) in Nigeria: „Die Bestrafung durch Kastration kann dazu führen, dass wir uns als barbarisch präsentieren“, wird der Vorsitzende der Organisation in der nigerianischen Presse zitiert. Nigeria und der Bundesstaat Kaduna seien Teil einer globalen Familie, in der eine bestimmte Art der Bestrafung als Verstoß gegen die Menschenwürde angesehen werde, obwohl das Verbrechen der Vergewaltigung schwerwiegend ist. In einem ähnlichen Tonus wird im selben Bericht auch ein Islamwissenschaftler zitiert, der sagt, dass die Religion des Islam die Kastration als Strafe für Vergewaltigung nicht vorschreibe.

Corona: Neues Gesetz in nigerianischem Bundesstaat Kaduna - Vergewaltigern droht Kastration

In Nigeria kam es während des Lockdowns zu weiteren teilweise schrecklichen Vorfällen. Sicherheitskräfte töteten beispielsweise mehrere Menschen, weil diese sich nicht an die geltende Ausgangssperren gehalten haben sollen. In Deutschland befürchten Experten derweil, erste Anzeichen für eine zweite Corona-Welle* zu beobachten. In den vergangenen Wochen zeichnete sich ein steigender Anstieg der Infektionszahlen ab.

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