Ergebnisse „extrem beruhigend“

Corona-Infektion in der U-Bahn oder im Bus? Neue Studie zeigt, wie hoch das Risiko wirklich ist

Viele Menschen fürchten sich vor einer Corona-Infektion im Bus oder der U-Bahn. Eine Studie aus England zeigt nun, wie hoch das Infektionsrisiko tatsächlich ist.

  • Eine aktuelle Studie hat das Risiko einer Corona-Infektion* in Londons U-Bahnen und Bussen untersucht.
  • Die Wissenschaftler konnten bislang keine Spuren des Coronavirus* nachweisen.
  • Der Verkehrsbetreiber Transport for London (TfL) will seine Maßnahmen im Kampf gegen die Corona-Pandemie* weiter ausbauen.

London - In den Londoner U-Bahn-Stationen wird die Einhaltung der Corona-Maßnahmen streng kontrolliert. Polizisten stehen teilweise hinter den Drehkreuzen, an denen in London beim Ausstieg bezahlt wird, und beobachten die Passagiere. Wer seine Maske nicht richtig trägt, wird zunächst ermahnt. Bei einem Verstoß werden Strafen in Höhe von 200 Pfund, bei Wiederholungstätern sogar bis zu 6400 Pfund fällig.

Corona-Ansteckung in Bus und U-Bahn: Studie zeigt überraschende Ergebnisse

Die Auslastung des öffentlichen Nahverkehrs in London hat seit Ausbruch der Corona-Pandemie deutlich abgenommen. Ein möglicher Grund dafür ist die Angst vieler Menschen, sich in der U-Bahn oder im Bus mit dem Coronavirus zu infizieren. Der Betreiber des Verkehrsnetzes der englischen Hauptstadt, Transport for London (TfL), untersucht daher in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern* des Imperial College London, wie hoch das Risiko ist, sich beim Berühren von Griffen und Fahrscheinautomaten oder im Gedränge der Züge anzustecken.

Über einen Zeitraum von vier Monaten werden alle vier Wochen Proben von der Luft und den Oberflächen in Londons Bussen und U-Bahnen genommen. Die Ergebnisse der zweiten Testrunde im Oktober zeigen: die Forscher konnten keine Spuren des Coronavirus* nachweisen. Das Ergebnis für den September war ebenfalls negativ ausgefallen.

Lilli Matson, zuständig für Sicherheit, Gesundheit und Umweltfragen bei TfL, erklärte gegenüber BBC, die Ergebnisse seien „extrem beruhigend“, insbesondere für Menschen, die in Zeiten der Corona-Pandemie* auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen sind. „Ich bin überzeugt, dass es sicher ist, U-Bahnen und Busse zu nutzen. Wir haben eine gewaltige Menge an Maßnahmen eingeführt, von Reinigung über Stichprobenprüfungen und Handdesinfektion bis zu Antivirus-Sprays“, erklärte Matson.

Corona-Studie: Forscher stellen typische U-Bahn- und Busfahrt in London nach

Die Wissenschaftler des Imperial College versuchten bei ihren Tests, eine typische Fahrt möglichst genau nachzustellen. Mit Wattestäbchen nahmen sie Abstriche von den Oberflächen der Haltegriffe, den Druckknöpfen im Bus und von den Kartenlesegeräten, die beim Ein- und Ausstieg das kontaktlose Bezahlen ermöglichen. Zudem wurden die Sitze von Bushaltestellen, Handläufe von Rolltreppen, sowie die Druckknöpfe der Aufzüge untersucht. Darüber hinaus wurde die Luftqualität in den Tunneln der U-Bahn gemessen.

Seit dem Beginn der Corona-Pandemie hat der Verkehrsbetreiber TfL sein regelmäßiges Reinigungsprogramm deutlich ausgeweitet und setzt dabei auf Produkte, wie sie auch in Krankenhäusern genutzt werden, die nachweislich Viren und Bakterien abtöten und desinfizieren, berichtete Matson. Mehr als 1000 Stationen zum Desinfizieren stehen im gesamten Netz bereit. Die guten Ergebnisse der Tests seien kein Anlass, die Maßnahmen zu verringern. „Wir müssen sicherstellen, dass wir jegliches Risiko ausschließen“, sagte Matson.

Corona in London: TfL ergreift weitere Maßnahmen um Infektionsrisiko gering zu halten

Experten sind überzeugt, dass neben der regelmäßigen Reinigung im öffentlichen Nahverkehr auch das Tragen einer Maske und die Einhaltung der Abstandsregeln weiterhin besonders wichtige Faktoren im Kampf gegen die Corona-Pandemie* sind. Die TfL hat daher unter anderem die Kapazität der berühmten Doppeldeckerbusse deutlich reduziert. Von den vorhandenen rund 90 Plätzen dürfen nur noch 30 besetzt werden. Als weitere Hilfestellung weisen in den U-Bahn-Stationen Schilder auf die Zeiten hin, zu denen die Auslastung üblicherweise am höchsten ist. Somit können die Nutzer große Menschenansammlungen meiden.

Der Verkehrsbetreiber der britischen Hauptstadt plant bereits weitere Maßnahmen im Kampf gegen die Corona-Pandemie. In den kommenden Wochen werden in den U-Bahn-Stationen in London mehr als 200 Geräte installiert, die mithilfe von UV-Licht die Handläufe der Rolltreppen desinfizieren. (ph) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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