Infektionen steigen

Corona in Europa: Deutsches Nachbarland meldet bedrohliche Werte - und die kritischen Wochen kommen erst

Eine zweite Corona-Welle hat Europa erfasst. Frankreich verzeichnet extreme Werte. Die wichtigsten Entwicklungen in Europa im News-Ticker:

  • Immer mehr Regionen in Europa gelten wieder als Risikogebiete.
  • Frankreich meldete fast 5000 Neuinfektionen an nur einem Tag.
  • Finnland führt wieder Reisebeschränkungen für europäische Länder ein - auch Deutschland mit inbegriffen (Update vom 19. August). Ein Nachbarland Deutschlands meldet indessen Rekordwerte bei den Fallzahlen (Update 21. August).
  • Hier finden Sie die grundlegenden Fakten zum Coronavirus* und die Corona-News aus Deutschland. Außerdem finden Sie hier aktuelle Fallzahlen in Deutschland als Karte

Update vom 23. August, 21.48 Uhr: 4897 Neuinfektionen meldete Frankreich innerhalb von lediglich 24 Stunden. Die Deutsche Presse-Agentur berichtet von den höchsten Zahlen seit Ende des Lockdowns im Mai. Wie in Deutschland ist der Trend seit den Lockerungen beunruhigend. Auffällig auch in Frankreich: Aktuell sind deutlich mehr jüngere Menschen mit Corona infiziert, anders als im Frühjahr.

Gesundheitsminister Olivier Veran äußerte sich gegenüber „Le Journal de Dimanche“ zur aktuellen Lage und zeigte sich voll Sorge. Er sieht große Risiken auf das Land zukommen. Schon jetzt sind die Infektionszahlen sehr hoch und das Ferien-Ende steht in Frankreich noch bevor. In den nächsten Wochen werden zahlreiche Urlaubsrückkehrer erwartet. In Deutschland und Italien (dessen Ex-Regierungschef Berlusconi inzwischen mit Corona in der Klinik liegt) zeigte sich während und nach der Rückkehrer-Welle ein erneuter Anstieg. Indes lässt sich nach fast neun Monaten eine Corona-Bilanz ziehen. So tödlich ist das Coronavirus in Deutschland, Europa und weltweit. Derweil warnen Forscher bereits vor einer anderen, besorgniserregenden Gefahr.

Coronavirus in Europa: Nachbarland von Deutschland verzeichnet Rekordwerte - so viele Fälle wie nie zuvor

Update vom 21. August, 13:37 Uhr: Seit Beginn der Pandemie gab es in Polen noch nie so viele Neuinfektionen wie am Freitag. 903 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden meldete das Gesundheitsministerium in Warschau. Das Nachbarland Deutschlands erreicht damit einen neuen Rekordwert. Die bisherige Höchstmarke wurde am 8. August erfasst und lag bei 843 neuen Fällen.

Die meisten Fälle sind wie bereits in der Vergangenheit in der Region Schlesien aufgetreten. Es gebe keine großen Infektionsherde, erklärte ein Sprecher des Ministeriums gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Vielmehr habe man eine Häufung von Fällen in zwei Pflegeheimen in Schlesien, in mehreren kleinen Betrieben und nach privaten Feiern feststellen können. Er hielt die Bürger dazu an, sich auch bei Festen die Vorsichtsmaßnahmen zu beachten.

Corona in Europa: Finnland führt Reisebeschränkungen wieder ein - auch Deutschland betroffen

Update vom 19. August, 10.23 Uhr: Finnland hat angekündigt, Beschränkungen für Reisende aus Deutschland und einigen weiteren europäischen Ländern wieder einzuführen. Die finnische Regierung teilte am Mittwoch mit, dass wegen der steigenden Corona-Zahlen ab Montag (24. August) Reisebeschränkungen für Deutschland, Griechenland und Malta gelten. Auch Norwegen, Dänemark und Island sind von den neuen Regelungen betroffen.

Die Einschränkung sieht vor, dass Finnland für diese Länder wieder Grenzkontrollen einführt und Reisende aus diesen Staaten aufgerufen werden, für 14 Tage in Quarantäne zu gehen und Kontakte mit anderen Menschen zu vermeiden. Positive Entwicklungen gibt es Menschen aus den finnischen Grenzgebieten zu Schweden und Norwegen. Sie können sich hingegen künftig freier über die Grenze bewegen, auch wenn die Infektionszahlen dieser Länder die finnischen Schwellenwerte überschreiten. Details blieben zunächst jedoch offen.

Finnlands Ministerpräsidentin Sanna Marin gilt als souveräne Pandemie-Managerin. Finnland hat europaweit eine der niedrigsten Zahlen an Neuinfektionen.

Zuvor hatte Finnland die Beschränkungen bereits für eine ganze Reihe europäischer Länder wieder eingeführt, darunter Belgien und die Niederlande. Entscheidend für die Finnen ist, dass in dem entsprechenden Land innerhalb einer Zwei-Wochen-Periode weniger als acht neue Corona-Fälle pro 100.000 Einwohner verzeichnet wurden. Schaut man auf die Vergleichswerte des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC), dann liegen Deutschland und die weiteren Länder über diesem Grenzwert. Finnland hat dagegen europaweit eine der niedrigsten Zahlen an Neuinfektionen.

Update vom 18. August, 12.30 Uhr: Malta schließt Bars und Nachtclubs. Lokale, die auch ein Restaurant haben, dürfen weiter geöffnet bleiben. Die Regierung reagiert auf die steigenden Corona-Zahlen, berichtet die Zeitung Times of Malta. Bootspartys werden zudem verboten, Zusammenkünfte werden auf 15 Menschen beschränkt und es gilt zudem eine Maskenpflicht im öffentlichen Raum. Ab Mittwoch gelten die neuen Corona-Regeln.

Corona-Ausbruch in britischer Lebensmittelfabrik

Update vom 18. August, 8.22 Uhr: Mehr als 70 Mitarbeiter einer britischen Lebensmittelfabrik sind mit dem Coronavirus infiziert. Das Unternehmen Bakkavor in Newark-on-Trent im Osten Englands ist nach eigenen Angaben auf frische Speisen spezialisiert.

Bei Untersuchungen von 701 Arbeitern wurde bei etwa jedem Zehnten der Erreger nachgewiesen, wie der Nachrichtensender Sky News am Montagabend berichtete. Nun sollen auch alle anderen der insgesamt etwa 1600 Beschäftigten getestet werden. Wie es zu dem Ausbruch gekommen war, ist dem Bericht zufolge noch unklar.

Coronavirus in Europa: Frankreich meldet höchste Ansteckungszahlen seit Mai

Update vom 17. August, 13.54 Uhr: Frankreich meldet die höchsten Ansteckungszahlen seit Mai: mehr als 3.000 Corona-Infektionen binnen 24 Stunden. Wie die französischen Gesundheitsbehörden mitteilten, wurden 3015 neue Infektionen am Sonntag gemeldet, berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Mit mehr als 30.400 Corona-Toten zählt Frankreich zu den am schwersten von der Pandemie betroffenen Ländern in Europa. Seit dem Ende der strengen Ausgangsbeschränkungen im Mai steigen die Fallzahlen wieder an. In Paris und anderen Städten gilt eine Maskenpflicht unter freiem Himmel. In öffentlichen Verkehrsmitteln und öffentlichen geschlossenen Räumen wie beispielsweise Geschäften ist die Maske landesweit Pflicht.

Corona in Europa: Tschechien durchbricht 20.000er-Marke

Update vom 17. August, 13.42 Uhr: In Tschechien haben die Corona-Infektionen die 20.000er-Marke überschritten, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Das hätten Daten des Gesundheitsministeriums in Prag am Montag ergeben. Dazu habe es einen Corona-Ausbruch nach einer Hochzeitsfeier gegeben. In der Nähe von Uherske Hradiste (Ungarisch Hradisch) im Südosten Teschechiens sollen sich Dutzend Menschen mit dem Virus infiziert haben.

Derzeit gibt es 5.816 aktive Corona-Fälle in Tschechien, 13.799 Covid-19-Patienten gelten bisher als genesen. Bisher wurden 397 Todesfälle mit dem Coronavirus registriert. Einen Corona-Ausbruch nach einer Hochzeitsfeier in der Nähe von Uherske Hradiste (Ungarisch Hradisch) im Südosten Teschechiens ein Dutzend Menschen mit dem Virus infiziert haben.

Coronavirus in Europa: Italien reagiert auf steigende Corona-Infektionen

Update vom 16. August, 19.51 Uhr: In ganz Europa steigen die Corona-Infektionszahlen aktuell wieder. Italien war in den letzten Wochen vergleichsweise gut weggekommen. Jetzt der Rückschlag. Am Samstag stieg die Zahl der Neuinfektionen auf 629 an einem Tag. Das ist der höchste Wert in Italien seit Ende Mai. Insgesamt hatte Italien in den vergangenen Wochen wesentlich geringere Infektionszahlen.

Die italienische Regierung zieht nun schon Konsequenzen. Wie La Repubblica berichtet, beschloss man am Sonntag, dass Diskotheken sowie alle Orte, an denen Tanzveranstaltungen stattfinden, wie auch Strand-Diskos im Freien oder Ballsäle, geschlossen werden. Die Schließung gilt ab Montag und mindestens bis zum 7. September. Daneben wurde beschlossen, dass in Italien nun an jedem Ort, an dem sich Versammlungen bilden können, zwischen 18 Uhr und 6 Uhr Masken auch im Freien getragen werden müssen. Somit muss in dieser Zeit auch auf öffentlichen Plätzen, auf denen sich in Italien gerne viele Menschen versammeln und bei Ansammlungen vor Lokalen eine Maske getragen werden.

Hintergrund ist, dass sich auch in Italien zunehmend jüngere Menschen mit dem Virus infizieren. Außerdem hatte es in den vergangenen Tagen viele Berichte über Feiern ohne Abstand und Maske von jungen Leuten gegeben. Offiziell zählt das Mittelmeerland fast 254 000 Ansteckungen. Am Sonntag registrierten die Behörden 479 Neuinfektionen mit dem Coronavirus innerhalb von 24 Stunden. Maja (26) aus Hannover erlitt einen Schlaganfall im Italien-Urlaub - mitten in der Corona-Krise.

Corona-Zahlen in Italien steigen wieder: Schul-Öffnung hat Priorität

Update vom 16. August: In Italien wächst wegen des Anstiegs der Corona-Zahlen die Sorge wegen der geplanten Wiedereröffnung der Schulen. Sie waren im März geschlossen worden. Der Unterricht im ganzen Land soll nach den Sommerferien am 14. September beginnen. Nachdem die Anzahl der Neuinfektionen innerhalb eines Tages am Samstag auf 629 geklettert war, warnten Experten vor Risiken für den Schulbeginn. Es ist der höchste Wert an Neuinfektionen seit Ende Mai. Gesundheitsminister Roberto Speranza versicherte im öffentlichen Fernsehsender TG1 jedoch: „Die Wiederöffnung der Schulen hat für die Regierung absolute Priorität.“

Die jüngsten Daten gäben Anlass zur Sorge, bestätigte der Politiker. Noch stehe Italien bei der Zahl der neuen Fälle besser da als etwa Spanien, Frankreich oder Deutschland, sagte er. „Wir dürfen die in den vergangenen Monaten mit Entbehrungen von allen Italienern erreichten Erfolge auf keinen Fall in Gefahr bringen.“ Der Schulstart ist ein heikler Punkt für die Mitte-Links-Regierung in Rom. Denn viele Eltern hatten in der Hochphase der Pandemie beklagt, dass die Politik die Probleme von Familien mit Kindern nicht genug beachtet habe.

Update vom 13. August: In Österreich steigen die Corona-Zahlen weiter an. Reise-Rückkehrer machen einen Großteil der Infektionen aus. Es gibt Kritik an den Grenzkontrollen. Schärfere Maßnahmen werden gefordert.

Update vom 12. August: Belgien hat einen neuen Corona-Hotspot: In der Hauptstadt Brüssel sind die Coronavirus-Neuinfektionen in die Höhe geschnellt. In den vergangenen sieben Tagen wurde die kritische Schwelle von 50 pro 100.000 Einwohner überschritten, teilte der Ministerpräsident der Region Brüssel-Hauptstadt, Rudi Vervoort, am Mittwoch mit. Zuletzt lag der Wert demnach bei 54,4.

In Brüssel gilt ab sofort eine Maskenpflicht. In der Öffentlichkeit müssen alle Personen, die älter als zwölf Jahre sind, einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Die neue Corona-Regel sollen von der Polizei kontrolliert werden. In der belgischen Provinz Antwerpen sind die Ansteckungszahlen indes wieder rückläufig. Antwerpen gilt seit dem 5. August nach der Liste des Robert-Koch-Instituts als Corona-Risikogebiet.

Schützt eine Mundspülung aus dem Supermarkt vor einer Corona-Infektion? Deutsche Forscher haben nun einen überraschenden Effekt entdeckt.

Corona in Europa: Belgische Stadt nun „Risikogebiet“ - sie reagiert mit einem ganzen „Corona-Dorf“

Update vom 10. August: Schweden ging in der Corona-Pandemie einen Sonderweg. Nach aufkommender Kritik will Staatsepidemiologe Anders Tegnell an seiner Strategie festhalten. Von einer Maskenpflicht hält der 64-Jährige indes überhaupt nichts.

Update vom 9. August 2020, 16.10 Uhr: Angesichts vieler „kleinerer und größerer Infektionsherde“ in einigen Teilen Europas mahnte Stella Kyriakides, EU-Gesundheitskommissarin, die Ausbrüche „zügig lokal einzugrenzen mit Tests, Kontaktverfolgung und der sofortigen Isolation“ der Betroffenen.

Nach ihrer Einschätzung besteht aber Hoffnung auf einen baldigen Impfstoff: „Auch wenn Vorhersagen zum
jetzigen Zeitpunkt noch riskant sind, haben wir doch gute Hinweise, dass der erste Impfstoff gegen Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres verfügbar sein wird“, sagte Kyriakides. Dieser könne zwar nicht alle Probleme beiseite räumen, aber doch eine schrittweise Rückkehr zur Normalität erlauben - wenn eine kritische Masse von Menschen und besonders Angehörige von Risikogruppen geimpft seien.

Coronavirus in Europa: Belgische Stadt Antwerpen wird zum Risikogebiet - besonders junge Menschen betroffen

Erstmeldung vom 9. August 2020, 09:10 Uhr: Antwerpen - Denkt man an Risikogebiete in Europa, dann fallen einem vielleicht der Ballermann auf Mallorca oder der Goldstrand in Bulgarien ein. Kaum einer wird wohl die belgische Stadt Antwerpen auf der Rechnung haben. Doch das Auswärtige Amt gibt der Region an der Schelde den gleichen Status wie beispielsweise Brasilien, USA oder Teilen Spaniens. Noch gibt es aber keine Einreiseverbote* für die Stadt. Besonders junge Menschen stecken sich in der Hafenstadt an. Deshalb gelten dort jetzt strenge Maßnahmen.

Antwerpen gilt als Risikogebiet: „Corona-Dorf“ vor der Stadt

Von den täglich rund 500 Neuinfizierten in Belgien kommen 150 Menschen aus der Region Antwerpen, berichtet Focus Online unter Berufung auf die belgische Gesundheitsbehörde Sciensano. Damit überschreitet die Stadt deutlich die Grenze von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in der Woche die das Robert Koch-Institut (RKI) als kritischen Schwellenwert festgelegt hat. Deshalb entstand jetzt vor den Toren Antwerpens ein sogenanntes Corona-Dorf im Gewerbegebiet Bergerhout. Auf dem Areal befinden sich Container, Zelte und jede Menge rote Absperrgitter. Es ist ein gewaltiges Test-Zentrum, in dem sich täglich bis zu 600 Menschen aus der Region auf das Virus testen lassen können. Das Angebot richtet sich besonders an Reiserückkehrer.

Das „Corona-Dorf“ vor den Toren Antwerpens ist ein gewaltiges Test-Zentrum für Reiserückkehrer.

Durch eine erhöhte Anzahl an Tests will Antwerpens Bürgermeister Bart de Wever herausfinden, wie viele Menschen in der Region wirklich an dem Virus erkrankt sind. Er denkt, dass seine Stadt nur so hervorsticht, weil in anderen Regionen und auch in Brüssel zu wenig Tests durchgeführt werden. Die Dunkelziffer* im Rest des Landes könnte also noch viel größer sein.

Corona in Europa: Besonders junge Menschen in Antwerpen vom Virus betroffen

Bei den Infizierten aus Antwerpen lässt sich ein Trend erkennen. Besonders Menschen unter 40 Jahren stecken sich mit dem Coronavirus an. Jedoch bleiben die Zahlen der Corona-Patienten, die in einem Krankenhaus behandelt werden müssen, und die der Sterbefälle* relativ konstant. In Belgien gelten wegen der erhöhten Neuinfektionen seit acht Tagen strengere Maßnahmen. So dürfen sich die Menschen privat nur noch mit den selben fünf Personen, die nicht im eigenen Haushalt leben, treffen. Vorher lag die Grenze bei 15 Personen. Außerdem darf man sich nur noch maximal zu Zehnt in einem Restaurant verabreden.

Für die Stadt Antwerpen gelten noch einmal verschärftere Regeln. So herrscht dort von 23 bis sechs Uhr morgens eine Ausgangssperre. Um die Ansteckungsgefahr* zu minimieren, muss auf der Straße und in öffentlichen Gebäuden ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Außerdem ist das Teilen von Getränken und Shisha-Pfeifen verboten. Einige Corona-Ausbrüche konnten tatsächlich auf Shisha-Bars zurückgeführt werden. (tel) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Urlaub trotz Pandemie: Politiker stellen gravierende Forderungen für Reisen in Corona-Risikogebiete. Das Coronavirus könnte noch früher ansteckend sein als bisher angenommen. Schweizer Forscher wollen neue Erkenntnisse über die unbemerkte Ansteckung gewonnen haben.

Rubriklistenbild: © Mehdi Fedouach/AFP/dpa

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