Covid-19

Drastische Corona-Entwicklung – RKI-Präsident verbreitet dennoch Hoffnung

Markus Söder warnt davor, dass die Corona-Entwicklung in Deutschland unkontrollierbar werden kann. Für RKI-Präsident Wieler ist die massive Weiterverbreitung des Virus noch zu verhindern.

  • In Deutschland infizieren sich wieder deutlich mehr Menschen mit dem Coronavirus*.
  • Verfassungsschützer Thomas Haldenwang wird positiv auf Covid-19 getestet.
  • Markus Söder (CSU) warnt vor einem Kontrollverlust.

Update vom Mittwoch, 14.10.2020, 15.01 Uhr: Über 5000 neue Corona-Fälle meldete das Robert-Koch-Institut zuletzt für Deutschland. So viele Infektionen gab es seit April nicht mehr. RKI-Präsident Lothar Wieler ist dennoch der Meinung, dass die massive Weiterverbreitung des Coronavirus noch zu verhindern sei. „Aber dafür müssen wir uns auch anstrengen“, so Wieler.

Er halte die jetzige Corona-Situation nicht für gefährlicher als die im Frühjahr. Zudem habe man heute mehr Erfahrung und Wissen als noch im März, um schnell und geschickt gegen das Coronavirus anzukämpfen. Bei einem weiteren Anstieg der Zahlen, wachse aber die Gefahr. Man müsse daher versuchen, die Gefahr möglichst klein zu halten. Entscheidend sei hierbei das Verhalten der Bevölkerung, da das Virus selbst sich nicht verändert habe.

Corona: Markus Söder warnt vor Kontrollverlust

+++ 18.50 Uhr: Am Tag vor der großen Konferenz der Länderchefs in Berlin ist der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) in München vor die Presse getreten. Der Ton war ernst - Söder warnte: „Wir sind kurz davor, die Kontrolle zu verlieren.“ Der CSU-Chef sprach sich für eine einheitliche Lösung bezüglich neuer Corona-Maßnahmen in Deutschland aus, man wolle keinen Flickenteppich.

Warnt vor der aktuellen Corona-Entwicklung in Deutschland: Markus Söder.

Söder plädierte für eine erweiterte Maskenpflicht in ganz Deutschland und befürwortet die Ausschankssperre, die in München ab 22 Uhr gilt. Das viel diskutierte Beherbungsverbot sei ein großes Thema auf der morgigen (14.10.2020) Konferenz, kündigte Söder an. „Wir wollen keinen zweiten Lockdown, doch er rückt näher, wenn es jetzt keinen Ruck gibt,“ so Söder. Man sei jetzt besser vorbereitet als im März, aber Solidarität in der Gesellschaft sei in den nächsten Monaten entscheidend.

Corona-Infektion: Verfassungsschutzpräsident Thomas Haldenwang in Quarantäne

+++ 15.30 Uhr: Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Thomas Haldenwang, ist mit dem Coronavirus infiziert. Eine Sprecherin der Behörde teilte am Dienstag (13.10.2020) mit, dass Haldenwang positiv auf Covid-19 getestet wurde. Er habe sich sofort in Quarantäne begeben und führe die Amtsgeschäfte nun vorn dort weiter. Die Arbeitsfähigkeit des Bundesamtes sei trotz der Corona-Infektion des 60-jährigen Präsidenten „vollumfänglich gewährleistet“, da es auf solche Situationen vorbereitet sei.

Corona: Während Lockdown haben sich vor allem Mütter um Kinderbetreuung gekümmert

+++ 15.11 Uhr: Aufgrund der Corona-Pandemie mussten Schulen und Kindergärten schließen, sodass Eltern neben ihren Berufen auch die Kinderbetreuung übernehmen mussten und damit vor eine große Herausforderung gestellt wurden. Davon waren mehr als vier Millionen berufstätige Eltern betroffen. Laut einer Studie haben in der Zeit des Lockdowns im Frühjahr vor allem Mütter die Versorgung der Kinder übernommen – obwohl sie sich in einer ähnlichen beruflichen Situation wie die Väter befanden, etwa beide im Homeoffice.

Einem Beitrag der „tagesschau.de“ zufolge haben sich die Väter zwar auch an der Betreuung beteiligt, jedoch meist nur gemeinsam mit der Mutter und mit Unterstützung von Dritten. Die Zahlen gehen aus der Studie des Nationalen Bildungspanels hervor, im Rahmen dessen Eindrücke und Erlebnisse während des Lockdowns sowie zu Beginn der Lockerung von den teilnehmenden Eltern abgefragt wurden.

Winterferien verlängern wegen Corona: Vorschlag sorgt für Verwunderung

+++ 12.20 Uhr: Welche Corona-Schutzmaßnahmen sollen in der kalten Jahreszeit greifen? Darüber brechen sich derzeit in Deutschland viele Menschen den Kopf. Christoph Ploß (CDU) und Stephan Pilsinger (CSU) schlugen nun vor, wegen Corona die Winter- oder Weihnachtsferien zu verlängern. Doch die Idee der beiden Unionspolitiker stößt weitgehend auf Ablehnung. Frank Ulrich Montgomery jedenfalls hat eine klare Meinung zum Thema: „So ein Quatsch“, sagte der Vorsitzende des Weltärztebundes zur Idee der Ferienverlängerung im Deutschlandfunk. Damit verunsichere man nur Schüler, Eltern und Lehrer.

Auch Christian Dürr bezeichnete den Vorschlag als Unsinn. Der stellvertretende FDP-Fraktionschef im Bundestag sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass eine kurzfristige Verlängerung der Winterferien die Planung von Millionen Familien kaputtmachen würde: „In diesem Jahr gab es genug Schulausfall. Die Kinder müssen die Inhalte nachholen und das dürfen wir nicht immer weiter nach hinten verschieben.“

Eine Absage an den Vorschlag kam auch aus verschiedenen Ländern: Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) teilte mit, sie sei skeptisch, ob der Vorschlag zur Verlängerung der Winterferien eine geeignete Schutzmaßnahme darstelle. „Auch Ende Januar ist der Winter ja noch nicht vorbei, deshalb ist das ein wenig zu kurz gedacht.“ Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Öffentliche Schulferiendebatten helfen jetzt niemandem und sind überflüssig wie ein Kropf“.

Der Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery hält nichts von einer Verlängerung der Winterferien.

Corona in Deutschland: Zwei weitere NRW-Großstädte überschreiten Warnstufe

+++ 09.45 Uhr: Zwei weitere Großstädte in Nordrhein-Westfalen haben eine wichtige Warnstufe in der Corona-Pandemie überschritten: Leverkusen und Gelsenkirchen. In den vergangenen sieben Tagen habe es in der Bayer-Stadt 62,3 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner gegeben, hieß es auf der Webseite des Robert Koch-Instituts (RKI). Die Schwelle liegt bei 50 - sie wurde also deutlich übersprungen, am Montag waren es nach Angaben der Stadt nur 44,6 gewesen. Aus Sicht von Virologen ist Leverkusen damit wie so viele andere Städte auch ein „Corona-Risikogebiet“.

Dies gilt nun auch für Gelsenkirchen, wo die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz am Dienstag nach RKI-Angaben bei 58,9 lag. Bereits am Montagabend hatte die Landeshauptstadt Düsseldorf mitgeteilt, dass sie die Warnstufe ebenfalls überschritten habe. Dort lag der Wert am Dienstag bei 55. Weiterhin drüber sind zum Beispiel Köln (66), Duisburg (54,5) und Hamm (58,4).

Betroffene Städte verschärfen ihre Maßnahmen gegen die Pandemie in der Regel leicht. So gilt in Düsseldorf nun die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes auf Wochenmärkten. Im öffentlichen Raum dürfen sich dort nur noch fünf Menschen zusammen aufhalten, bisher waren es zehn. Im Einzelhandel darf in der Landeshauptstadt nur noch ein Kunde pro zehn Quadratmeter zugelassen werden. Auch Leverkusen dürfte angesichts der aktuellen Entwicklung mit Maßnahmen gegensteuern.

Das Testzentrum am Flughafen bietet eine weitere Test-Möglichkeit für Reisende und alle Düsseldorfer.

Kampf gegen Corona: Unions-Politiker schlagen längere Winterferien vor

Update vom Dienstag, 13.10.2020, 6.30 Uhr: Unions-Politiker haben als Schutzmaßnahme gegen Corona-Infektionen in der kalten Jahreszeit eine Verlängerung der Winterferien vorgeschlagen. „Wir sollten darüber nachdenken, die Winterferien um zwei bis drei Wochen zu verlängern und im Sommer entsprechend zu kürzen“, sagte der Hamburger CDU-Chef Christoph Ploß der „Bild“ (Dienstag). Ziel müsse sein, bestmöglich durch die Pandemie zu kommen. Sein Fraktionskollege Stephan Pilsinger (CSU) regte sogar bis zu vier Wochen längere Weihnachtsferien mit entsprechender Kürzung der Oster- und Sommerferien an. „Das Wohl der Schüler und Lehrer muss im Vordergrund stehen“, begründete er seinen Vorschlag.

Corona in Deutschland: Schulschließungen vermeiden gilt als eines der wichtigsten Ziele

Über dieses Thema könnten auch die Ministerpräsidenten der Länder mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwoch beraten. Schulschließungen zu vermeiden, gilt als eines der wichtigsten Ziele der Corona-Maßnahmen.

Schulschließungen zu vermeiden, das gilt als eines der wichtigsten Ziele der Corona-Maßnahmen. Werden dazu auch die Winterferien verlängert?

Lehrervertreter und Bildungspolitiker hatten am Montag (12.10.2020) Schüler und Lehrer aufgefordert, sich nach den Herbstferien warm anzuziehen. Um Ansteckungen mit Corona in der Schule zu vermeiden, solle regelmäßig in relativ kurzen Abständen gelüftet werden. Im Frühjahr hatte sich Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) für kürzere Sommerferien ausgesprochen, damit Schüler ausgefallene Schulstunden nachholen können.

Corona-Beherbergungsverbote heftig umstritten: Hotelier bereitet Klage vor

+++ 15.55 Uhr: Die Beherbergungsverbote vieler Länder für Urlauber aus deutschen Risikogebieten lösen heftige Diskussionen aus. Zahlreiche Politiker fordern eine Rücknahme der Regelung. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) meldeten Gesprächsbedarf dazu für die Ministerpräsidentenkonferenz am Mittwoch (14.10.2020) an. Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) werde sich dort „die Argumente aller Seiten anhören“. Es handle sich aber um Länderregelungen.

Städte wie Frankfurt, Berlin, München, Köln, Stuttgart, Bremen, Essen und Mainz haben die Warnstufe überschritten. Menschen aus diesen Gebieten dürfen damit in vielen Bundesländern nicht mehr in Hotels, Pensionen oder Ferienwohnungen übernachten - es sei denn, sie können einen aktuellen negativen Coronavirus-Test vorweisen. Der Präsident des Deutschen Städtetages, Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung, erklärte, die Regelung sei „nicht durchdacht, da wird man noch mal rangehen müssen“, sagte der SPD-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montag).

Hotelier bereitet Klage gegen Beherbergungsverbot vor

Unterdessen will ein Hotelier aus dem Harz nach Angaben des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Niedersachsen gerichtlich gegen das Beherbergungsverbot des Landes vorgehen. Im Laufe der Woche solle eine Normenkontrollklage beim Oberverwaltungsgericht Lüneburg eingereicht werden, sagte Dehoga-Hauptgeschäftsführer Rainer Balke der Deutschen Presse-Agentur in Hannover. „Wir hoffen, dass die so schnell wie möglich tätig werden.“

Balke kritisierte, das Urlaubsverbot für Reisende aus deutschen Corona-Hotspots treffe das Kerngeschäft der Tourismusindustrie, obwohl es bisher keine großen Corona-Ausbrüche in der Branche gegeben habe. Schon am ersten Wochenende des neuen Beherbergungsverbots hätten die Telefone der Hoteliers nicht mehr still gestanden, weil Reisende verunsichert seien. „Das Ganze ist wie erwartet in Chaos gemündet“, sagte Balke. Viele Urlauber wollten demnach ihre Reisen stornieren und das Geld zurück haben, obwohl ihr Herkunftsort nicht von dem Verbot betroffen sei. Das führe zu Konflikten.

Die Kritik am Beherbergungsverbot wird immer lauter.

München verbietet Alkoholausschank ab 22.00 Uhr

+++ 14.15 Uhr: Wegen steigender Corona-Zahlen in München schränkt die Stadtverwaltung nun den Alkoholkonsum ein. Vom 14. Oktober 2020 an darf in Wirtshäusern und anderen Gaststätten nach 22.00 Uhr kein Alkohol mehr ausgeschenkt werden, wie das Rathaus nach einer Krisensitzung der Stadtspitze mitteilte.

Am nächsten Wochenende (17.10./18.10) gilt an mehreren bekannten Treffpunkten auch wieder ein abendliches Freiluft-Trinkverbot. In der Innenstadt müssen Fußgänger auf dem Marienplatz, am Stachus und einigen weiteren Örtlichkeiten wieder Masken tragen. Private Treffen sind noch zu maximal fünft erlaubt. Das soll bis zum 27. Oktober gelten.

München hat den Schwellenwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner überschritten, ebenso der Landkreis Fürstenfeldbruck im Westen Münchens, der Landkreis Regen im Bayerischen Wald sowie Memmingen und Rosenheim. Im Landkreis Fürstenfeldbruck müssen alle Schüler ab der fünften Klasse nun wieder Masken im Unterricht tragen. Das hatte das Landratsamt in einer Allgemeinverfügung angeordnete, die seit Samstag gilt.

Sorgen vor Corona-Ausbruch: Tests von mehr als 100 Sylter Partygästen

Unterdessen haben sich 102 Gäste nach einer Party in einer Bar auf Sylt, auf der auch ein Corona-infizierten Mann war, beim Gesundheitsamt gemeldet. „Davon ist der Großteil Sylter“, sagte eine Sprecherin des Kreises Nordfriesland. 83 der 102 Personen stammen von der Insel. Sie sollten voraussichtlich noch am Montag getestet werden. Ergebnisse werden am Mittwoch erwartet. Für die übrigen Gäste sind deren örtliche Gesundheitsämter zuständig.

Nach Angaben des Gesundheitsamtes in Husum hatte der Infizierte vor dem Auftreten erster Symptome und einem Test das „American Bistro“ in Westerland besucht. Nach seiner Erinnerung seien dort in der Nacht zum 4. Oktober 70 bis 100 Menschen anwesend gewesen. Die Bar selbst ist derzeit freiwillig geschlossen, wie die Sprecherin sagte. Die Gäste hatten dort die Möglichkeit, sich per QR-Code einzutragen. Rückmeldungen mehrerer Gäste zufolge gab es dabei aber Probleme.

Immer mehr Corona-Hotspots in Deutschland: Auch München durchbricht Warnstufe

Update vom Montag, 12.10.2020, 10.00 Uhr: Die bayerische Landeshauptstadt München hat heute wieder den Grenzwert von 50 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen überschritten. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts stieg die Sieben-Tage-Inzidenz am Montag auf 50,6. Bereits nach den bayerischen Sommerferien war der Wert Ende September auf über 50 gestiegen, dies war damals mit Infektionen durch Reiserückkehrer erklärt worden. Zwischenzeitlich war die Zahl der Infizierten in München deutlich gesunken.

Von den vier deutschen Millionenstädten Berlin, München, Köln und Hamburg liegt damit aktuell nur noch Hamburg unter der 50er-Grenze, dort lag die Sieben-Tage-Inzidenz am Montag bei 28,9. In Nordrhein-Westfalen ist nun auch Duisburg Corona-Hotspot, womit dort inzwischen zehn Kreise und Städte bei einem Wert von über 50 liegen.

Polizeibeamte mussten zuletzt in München eine illegale Rave-Party auflösen.

Corona in Deutschland: Zahl der Neuinfektionen auf hohem Niveau, jedoch nur wenige Todesfälle

Berlin – Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Deutschland* steigt weiterhin sprunghaft an. Am Freitag (9.10.2020) meldeten die Gesundheitsämter in Deutschland nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) 4516 neue Corona-Infektionen. Von Mittwoch auf Donnerstag war der Wert von 2828 auf 4058 erheblich angestiegen.

Am Sonntag wurden 3483 neue Corona-Infektionen registriert. Jedoch sind die Zahlen nicht aussagekräftig: An Sonntagen wie auch an Montagen sind die Fallzahlen erfahrungsgemäß meist niedriger, am Wochenende melden nicht alle Gesundheitsämter Daten an das RKI.

Und trotzdem: Die Todeszahlen in Deutschland sind auf einem niedrigen Niveau. Pro Tag sterben derzeit durchschnittlich 15 Menschen an der Lungenkrankheit Covid-19. Im April waren es zeitweise über 300 Tote pro Tag – bei ähnlichen Infektionszahlen. Die Zahlen sind für viele Menschen verwirrend und alle fragen sich: Wie geht es in Deutschland weiter?

Virologin Melanie Brinkmann warnt vor trügerischer Corona-Situation in Deutschland

Die Helmholtz-Virologin Melanie Brinkmann warnt vor einer Verschärfung der Corona-Krise sowie vor einem trügerischen Bild der aktuellen Situation. „Die Zahlen steigen seit Wochen kontinuierlich. Bei exponentiellem Wachstum sehen die Kurven anfangs immer ganz harmlos aus. Dann geht es irgendwann ganz schnell nach oben“, sagte die Corona-Expertin und Professorin an der TU Braunschweig gegenüber dem „Stern“ am Sonntag (11.10.2020).

„Ein Problem ist ja, dass wir zeitlich immer hinterherhängen – diese 4700 diagnostizierten Neuinfektionen, die allein am Samstag gemeldet wurden, sind ja bereits vor sieben bis zehn Tagen erfolgt, sprich, in Wahrheit sind wir auf der steigenden Kurve schon weiter“, so die Virologin. Brinkmann erwarte, dass es in Kürze mehr als 10.000 Corona-Neuinfektionen in Deutschland gebe.

Virologin Melanie Brinkmann steht am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung HZI.

Merkel hatte zuvor bei einer Videokonferenz des CDU-Präsidiums vor einem deutlichen Anstieg der Corona-Neuinfektionen in Deutschland gewarnt. Wenn diese sich wöchentlich so weiterentwickelten, werde es zu Weihnachten 19.200 Neuinfektionen am Tag geben. Die Kanzlerin habe das hochrechnen lassen, hieß es.

Corona in Deutschland: Hendrik Streeck sieht Zahl der Neuinfektionen nicht derart ernst

Der Bonner Virologe Hendrik Streeck sprach sich dafür aus, die reinen Infektionszahlen nicht zum Maßstab im Kampf gegen die Corona-Krise zu machen. „4000 Neuinfektionen pro Tag zurzeit bedeuten nicht mehr das Gleiche, was sie im März und April bedeutet haben“, erläutert er in einem Gastbeitrag für das „Handelsblatt“.

Abhilfe könne ein Ampelsystem schaffen, das auf dem Zusammenspiel von Infektionszahlen, Anzahl der Tests, stationärer und intensivmedizinischer Belegung basiert. Es müsse darum gehen, mit den vorhandenen Daten „ein intelligenteres und vorausschauendes System zu entwickeln“.

Virologin Brinkmann zur Corona-Lage in Deutschland: „Bei höheren Neuinfiziertenzahlen wird es immer schwieriger“

Virologin Melanie Brinkmann sieht das anders. „Ja, wir sind in einer anderen Situation als im Frühjahr, als wir nicht wussten, was auf uns zukommt, als noch keinerlei Therapien zur Verfügung standen. Aber ein Allheilmittel haben wir noch nicht, und das Virus ist auch nicht ungefährlicher geworden“, sagte sie im Interview mit dem „Stern“.

Man könne nicht darauf warten, dass die Belegung der Intensivbetten wieder ansteige. Es sei wichtig die Zahl der Neuinfizierten in Deutschland stabil zu halten oder gar zu senken. „Bei höheren Neuinfiziertenzahlen wird es immer schwieriger.“ Auch andere Baustellen könnten erst angegangen werden, wenn das Coronavirus bekämpft sei. „Unsere Wirtschaft hat nichts davon, wenn wir zu spät handeln, wir müssen Maßnahmen ergreifen.“

Mehr als 9600 Menschen in Deutschland an den Folgen einer Corona-Erkrankung gestorben

Die höchste Zahl vom RKI erfasster Corona-Neuinfektionen hatte es Ende März und Anfang April gegeben, als der Wert mehrfach über 6000 lag. Der bisherige Höchstwert war 6294 am 28. März.

Seit Beginn der Corona-Krise haben sich nach Daten der US-amerikanischen Johns-Hopkins-Universität knapp 325.000 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert (Datenstand 11.10., 19.23 Uhr). Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion lag laut den Wissenschaftlern bei 9620. Rund 274.800 Menschen haben die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden. (Von Tim Vincent Dicke mit dpa) *fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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